Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Über den frühzeitigen Gebrauch der indischen Ziffern bei den Juden
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 378 (sequence 4)
- Language
- German
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378 Heber den frühzeitigen Gebrauch* der indischen'Ziffern holend die Fragen vor Allein erledigen: welchen Zeitpunkt haben bisherige Forschungen als denjenigen festgesetzt, in welchem die Kenntnisse und Fortschritte der Inder auf dem Gebiete der Mathematik, und — worauf wir den Schwerpunkt'legen - die ind. Rechenmethode auch andern Völkern zugänglich wurde, welches Volk ist für den ersten Apostel der ind. Erfindungen zu halten, welchen Männern speciell ist deren Verbreitung in deü christlichen Ländern des Abendlandes zu danken? Es ist leicht erklärlich, dass ganz bestimmte Aufschlüsse über diese Punkte nur wenige zu finden sind, und dass selbst , die Resultäte in neueren Werken mehr den Charakter der Hypothese, als den der feststehenden histor. Thatsaehe zumeist haben. Dass es Araber gewesen, die von der ind. Methode zuerst Künde erhielten, wird von Niemandem bezweifelt. Haben ja seifest bis heute noch die Ziffern der Inder ihrer Erfinder Namen verleugnen müssen, und den ihrer Verbreiter sich gefallen lassen! Aber auch als die Pfleger der ,neuen arithmetischen Methode und deren ausschliessliche Verbreiter bis in die eurepäischen Länder werden die Araber allgemein genannt. Im 8. Jahrh. soll die indische Mathematik zu den Arabern des Chali-fates gelangt und von Asien aus durch sie nach Europa später gebracht worden sein. Aber eben in Bezug auf das ״Wann" des ältesten Gebrauchs des Systems im Abendlande sind die, Ansichten verschieden, und pflegen bei historischer Festsetzung desselben — die vulgäre Ansicht hatte es zu hoch hinaufgeschoben — nur allgemeine Ansätze aufgestellt zu werden. — Es ist wohl unnöthig, dass wir die Ansicht jener Forscher noch wiederholen, die auf Grund einer Stelle in der handschriftlichen Geometrie des Boethius (geb. c. 470 übl. Zeitr.) diesem Römer schon Bekanntschaft mit dein indischen Ziffern- und Zahlen- System zuschreiben:3) es ist eben jene berühmte Stelle in der Handschrift des Boethius von gewichtigen Stimmen, Kennern des Alterthums wie Böckh, Wöpcke als spate Interpolation erklärt, in neuester Zeit sogar die Echtheit des ganzen Werkes (vergl. Friedlein) angezweifelt worden. Wir können mit eben *) So auch noch A. v. Humboldt, auf Chasles sich stützend. (Kosmos JI. 262.)