Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient un der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829332-2829343-2862396--10159-2862419- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
, , > . ׳1י?' y ״ יי׳,׳. 'C_7 866 Rückblick auf Zustände und Ereignisse de!4 Juden 5 waren wir auf der Höhe eines kleinen Hügels angelangt, von wo aus wir eine Aussicht auf die Mauern von Jerusalem und auf die mit Steinen besäete Ebene hatten, die sich noch ungefähr eine halbe Wegstunde lang ausdehnte und mit Menschen gefüllt war; Greise und Kinder, Manner und Frauen jeglichen Alters und Standes drängten sich heran, um uns zu sehen und zu sprechen. Wir, d. h. Erlanger und ich, waren vom Pferde gestiegen und wurden von allen Seiten aufs Freundlichste begrüsst. Nach der Sitte der Stadt zerriss man unsere Kleider, zum Zeichen der Trauer. Der Pascha und die meisten Consuln hatten die Kawahs geschickt, der Besitzer eines kleinen Kaffeehauses vor dem Jaffaer Thore, goss vor uns Kaffee auf die Erde, um unsere Ankunft 'zu feiern. Der Scheieh-el-belad oder Bürgermeister von Jerusalem empfing uns sehr wohlwollend am Thore der heiligen Stadt, deren Andenken aus der Mitte der Mensehen nicht erlöschen wird, so lange die Religion noch einen Einfluss auf Erden ausübt. Von einigen Tausenden unserer Brüder geleitet, wurden wir bis ans Ende der Stadt geführt in das Haus der Talmud Thora, das zu einer Wohnung eingerichtet war. Kaum hatten wir uns ein Wenig ausgeruht, so empfingen wir die Vorsteher der verschiedenen Gemeinden, in die zum Unglück der Einwohner, Israel in der Hauptstadt seines ehemaligen Landes getheilt ist. Die zwei grossen Unterabtheilungen, Rayas oder ottomanische Unterfchanen. und Fremde oder solche*, die unter dem Schutze der verschiedenen Consuln stehen, Hessen sich noch in gewissem Sinne vereinigen; hingegen die Gemeinden, die entweder verschiedener Abstammung sind, wie die Warschauer, die Oesterreichische, die Holländische und Deutsche Gemeinde, oder die hinsichtlich der Lehre sich von den übrigen unterscheiden, wie die Peruschim, Chassidim u. dergl. bewirken grössere Kosten, und bringen in Folge dessen die sittliche und finanzielle Unordnung hervor, die sobald nicht beseitigt werden kann. In den ersten Tagen zogen wir, wie ich es überall zu thun pflege, Erkundigungen ein, sowohl von den Vor-