Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 9
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 358 (sequence 4)
- Language
- German
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358 ,• . r ^1 specielle Eigentümlichkeit, durch welche sich jeder neben dem andern in seiner Weise auszeichnet, vor uns zu entwickeln, begnügt sich der Verfasser mit allgemeinen, wenig oder vielmehr Nichts sagenden Phrasen; z. B. Kalir gehörte ״zu den weisesten Männern“ (S, 5), ״des Moses (Ihn Esra) Genie gehörte zu den seltensten, Er war nicht allein in den jüdischen Büchern bewandert, sondern besonders auch mit der Poesie, so wie gleichfalls mit der griechischen Literatur sehr vertraut“ (8. 62, 65). Ferner weiss der Verfasser über die gewiss sehr eigenthümliche Weise der Begabung Abraham ibn Esras kaum viel mehr zu sagen, als: ״Er zeichnete sich auf dem gesammten Gebiete der Wissenschaften aus und stand wegen seiner Gelehrsamkeit und seiner gediegenen Arbeiten bei den Christen nicht minder in hohem Ansehen, als bei den Juden. Er war nicht nur ein tiefer (?) Kenner seiner hebräischen Sprache, sondern eben so auch der arabischen u. 8. w. Ausserdem war er mit den Wissenschaften der Mathematik, Arzneikunst, so wie mit der Poesie vertraut und überlieferte uns hierin (?) hoehgeschätzte Werke“ (8. 73 ff.) Interessant ist auch zu bemerken, dass der Verfasser, anstatt uns die Daten vorzulegen, aus denen wir uns selbst über diese Männer ein Urtheil bilden könnten, es vorzieht, die Urtheile Anderer, oft die der Zeitgenossen zu referiren (S. 61, 65, 73). — Also gibt diesem Buche weder die prägmatische noch die biographische Seite irgend welchen Vorzug, seine Berechtigung kann es sich also nur durch die stylistische Eigenthümlichkeit vindiziren. Von dieser geben wir jetzt einige weitere Proben, obwohl die bereits angeführten Citate auch hierfür bereits Zeugniss abgelegt haben. Gleich auf der ersten Seite wird nach einer langathmigen, nicht ganz correcten Periode von den Juden gesagt: ״Anfangs wurde der zerstreute Stamm ein Werkzeug der Römer, welche denselben wegen seiner loyalen (!) Haltung manchmal begünstigten“. Wozu aber diente denn der zerstreute Stamm den Römern als Werkzeug? Das vergisst der Verfasser uns zu sagen. Ferner.: ״Alfassi’s Schule, so wie. auch nicht minder die des Ibn Giath, waren stets sehr zahlreich besucht und liessen sehr viele angesehene Männer aus sich hervorgehen, die alle mit Gelehrsamkeit sehr vertraut (!) waren, sei es nun blos im Talmudstudium oder auch noch in Poesie, Philosophie und Mathematik u. 8. w.“ (S. 60).