Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 337 (sequence 17)
- Language
- German
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1in Frankreich, Italien, dem,Orient 11. d. Nordküste Afnca’s. 337 anerkannt hat, ist gleichwohl stets mit einer Art Furcht oder ängstlicher Vorsicht behaftet gewesen, sobald die Dinge das Gebiet dessen, was man die orientalische Frage zu nennen pflegt, nur entfernt berühren. Ich berühre hier einen heiklen Punkt, der aber nichtsdestoweniger besprochen werden muss, damit er endlich einmal, wenn es Gottes Wille ist, und wenn sich die Umstände günstiger gestalten, in befriedigender Weise gelöst wird. Die allerchrisfclichsten Könige von Frankreich üben seit vielen Jahrhunderten die durch Verträge mit der ottomanischen Pforte anerkannte Schutzherrlichkeit über alle Kirchen des katholischen Cultus, wie über alle Personeii, die zur Kirche in Beziehung stehen, über Bischöfe, Priester, barmherzige Schwestern und über alle heiligen Oerter. Man bezeichnet, oder bezeichnete wenigstens in einer Zeit, die uns noch nicht sehr fern liegt, alle Europäer, die in den Stapelplätzen der Levante wohnten, selbst die, welche sich seit mehreren Generationen dort angesiedelt hatten, mit dem Namen Franken; einer Art Kauderwelsch, einem Mischmasch aus französisch, italienisch, spanisch, arabisch und türkisch hatte man den Namen lingua franca (fränkische Sprache) beigelegt, und in diesem Idiom fand der Verkehr zwischen den Eingeborenen und den Europäern statt. Welche Regierungsform Frankreich auch angenommen hatte, immer hielt es darauf, diese Privilegien zu wahren, da dieselben ihm ein gewisses Ansehen in Constantinopel verliehen und seine Regierung zur Beschützerin der christlichen Interessen machten, die in damaliger Zeit mit den Interessen der Civilisation und Humanität identisch waren und zusammeufielen. Dies hinderte aber den allerchristlichsten König nicht, fast immer der Verbündete des Grosstürken zu sein, und ihn bisweilen sogar zu einem Angriffe auf andere christliche Länder aufzumuntern. Als später auch andere Regierungen Macht im Orient erlangten und dort ihre eigenen Interessen verfolgten, entstand bald eine Eifersucht, und ein ewiger Streit um den grossem Einfluss und um den Vorrang setzte sich in diesen Gegenden fest. Damals gab es in Frankreich Frankel, Monatsschrift.XV. 9. 26