Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 16)
- Language
- German
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336 Rückblick auf Zustände und Ereignisse dex Juden zu treten, theuer bleiben wird. In Prag machte ich die Bekanntschaft des ehrwürdigen Rapoport; er erklärte sich bereit, eine gelehrte Vorrede zu dem Galed zu schreiben, den ich herausgab, um das Andenken so vieler berühmter Gelehrten, die auf dem alten Friedhofe dieser ehrwürdigen Gemeinde ruhen, zu erhalten. Ich besuchte auch Herrn Ephraim Wehli, der mir früher, als ich noch studirte, manche guten Rathschläge gegeben hatte, besiehtigte auch die zahlreichen Synagogen, das jüdische Stadthaus mit seinem Thurm und seiner Uhr, welche die Stunden in hebräischen Schriftzügen anzeigt, und reiste sodann nach Wien, wo ich ׳für die in Jerusalem zu gründenden Anstalten eine wirksame Unterstützung zu finden hoffte. Ich wollte hier nicht Geld auftreiben, das hoffte ich anderweitig später zu erhalten, sondern mir einen kräftigen Schutz von höchster Stelle verschaffen. Ich hatte die Ehre, von dem jungen Kaiser empfangen zu werden und ihm einen Th eil meiner Absichten anseinanderzusetzen, und er gestattete mir, dieselben ausführlieh den beiden Ministern, dem Grafen von Buol-Schauenstein und dem Baron von Bach mitzutheilen. Obwohl Oesterreich sonst gegen die jüdischen Bewohner des Kaiserstaates nicht gerade liberal ist, so hat es doch trotzdem stets im Judenthume eine der ehrwür־־ digsten und ältesten Formen der Gottesverehrung erkannt, und sich in dieser Hinsicht vor vielen andern freisinnigeren und vorgeschrittenen Regierungen immer durch seine Achtung gegen die Rabbinen, gegen die Gotteshäuser, kurz gegen Alles, was den Cultus betrifft, ausgezeichnet. Besonders pflegte Oesterreich im Orient die Vertheidigung der jüdischen Interessen zu übernehmen, indem es von jeher israelitische Consuln und Generalconsuln ernannte, sie durch Verleihung von Titeln, durch Erhebung in den erblichen Adelstand und durch Auszeichnungen aller Art ehrte, und bereitwillig seinen Schutz allen Israeliten gewährte, die denselben in Anspruch nahmen. Frankreich, das gegen alle seine Unterthanen so hochherzig ist, und das Prinzip der Gleichheit gegen alle Confessionen in seinem Lande im ausgedehntesten Maasse