Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 15)
- Language
- German
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in Frankreich, Italien, dem Orient u. d. Nordküste Africa’s. 335 der Gäben und Yortlieile zuwenden, die der Herr den zerstreuten Kindern seines Volkes gnädigst verliehen hatte. Sir Moses Montefiore war in der neuern Zeit der Erste, der zu wiederholtenmalen diese Gegenden hesuchte, um sie kennen zu lernen; er linderte selbst sehr viele Leiden, indem er den Grund zu Institutionen legte, die den späteren Stiftungen als Stützpunkt dienen sollten. Aber das Elend wurde grösser; der Gesundheitszustand unserer Brüder, die sich in der Regel an das Klima nicht gewöhnen konnten, litt oftmals sehr; wie immer und überall suchten die aufrichtigen und practischen Männer in einer sofortigen, materiellen Verbesserung die Hoffnung einer Umgestaltung, oder vielmehr einer Wiedergeburt des Judenthums auf dem Boden, auf welchem es entstanden war. Diese und noch viele andere Ansichten und Meinnngen legte ich der Familie Rothschild dar, die sich stets bereitwillig allen frommen und der Menschheit Segen bringenden Zwecken anschliesst, und besprach mich darüber noch mit andern Freunden, die von derartigen Plänen zum erstenmale hörten. Sodann verliess ich, von den Segenswünschen der ganzen Gemeinde begleitet, Paris am 11. Juni, dem Jahrestage meiner Abreise von Wien, wo ich achtzehn Jahre vorher mir einen Weg zu bahnen und eine Laufbahn zu erschlossen versucht hatte, die mich in den Stand setzen sollte, die Gedanken, von. denen ich durchdrungen war, zu verwirklichen. In Leipzig besuchte ich Dr. Jellinek und Dr. Fürst, welcher der Erste in Deutschland war, der die Erlaubniss erhalten hatte, an der Universität Vorlesungen über die Sprache und Literatur zu halten, welche die Juden sicherlich am besten kennen müssen. Sodann reiste ich nach Dresden, besuchte den Dr. Frankel und seinen Freund Dr. Beer. Letzterer war ein reicher Mann, der, was in der Gegen7 wart eine grosse Seltenheit ist, rnit Herz und Seele die jüdische Literatur gepflegt und Alle, die sich derselben widmeten, freundlichst unterstützt hat, der daher auch Allen, die das Glück hatten, mit ihm in nähere Berührung