Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 7)
- Language
- German
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- Tunis 2× ep/1048155
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in Frankreich, Italien, dem Orient u. d. Nordküste Africä's. 327 wichtigste Gemeinde von ganz Africa besucht zu haben. \ Da ich in Paris mit einem Theile des Hofstaates des Bey \&chmed, während seiner Anwesenheit in Frankreich, besonders mit seinem ersten Leibarzt, dem Doctor Lambroso, Bekanntschaft gemacht hatte, so begab ich mich nach Tunis und wurde von unserm Geschäftsträger Herrn von Lagau dem Bey vorgesteilt. Trotz der Feste des Ramadan war der Fürst in die Stadt gekommen und zeigte sich allen Massregeln zur Verbesserung der Lage unserer Brüder sehr geneigt. Die jüdische Bevölkerung mochte damals allein in der Stadt Tunis fünf- bis achtundzwanzigtausend Seelen betragen und war in zwei Parteien gespalten, deren eine, die weniger beträchtliche mit dem Namen ״Weissmützen“ bezeichnet, sich Ligurni, von Livorno abstammend, nannte; die Andern, die;,Schwarzmützen“, sind vollständig Einheimische und bilden den Kern der Bevölkerung, die ausserhalb der Stadt Tunis, in Sales Djerbi und in einigen andern Ortschaften zehn- bis fünfzehn tausend Seelen beträgt, so dass die Gesammtzahl der jüdischen Bevölkerung des ׳Reiches Tunis sich etwa auf vierzigtausend Köpfe beläuft. Die Regierung war damals sehr milde; der Kaid Jussuf, dem später der Kaid Nissim folgte, war neben dem Khaznadar der Minister oder vielmehr der Grossvezier des Bey, eine sehr wichtige Persönlichkeit und verwaltete die Finanzen, die sich seit vielen Jahren fast erblich in der Familie Schamama befanden. Die Errichtung von Schulen erschien mir am nothwendigsten, um unsere Glaubensgenossen in den Stand zu setzen, die günstigen Umstände, die sich ihrer Thätigkeit darbieten könnten, gehörig zu benutzen. Der Abbe Bourgade hatte zwar eine gemischte Anstalt, die auch eine Anzahl Israeliten enthielt, aber dieselbe hatte nicht nur einen katholischen Charakter, sondern die Armen konnten sie gar nicht besuchen. Ich versammelte die Angesehensten und alle Diejenigen, welche dieser Ange- ' legeiiheit ein gewisses Interesse bezeigten, in der grössten Synagoge, setzte ihnen die wohlwollenden Gesinnungen des Bey auseinander, machte sie darauf aufmerksam, dasa