Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 8
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 4)
- Language
- German
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Ä Recensionen und ‘Anzeigen. in den vorliegenden Erzeugnissen in besonders hohem Grade. Um sich hier die Competenz zu einer strengen Beurtheilang erwerben, müsste man sich erst zum vollen Erfassen dieses Wesens, zur Höbe dieses Geistes emporschwingen können. Wie nachdrücklich aber eine geniale Kraft eine Alltagskritik zu entwaffnen vermag, beweisen diese Predigten am Schlagendsten. Gar oft treten uns in denselben bei der weiteren Entfaltung eines leitenden Gedankens Stellen entgegen, die mehr in die Breite als in die Tiefe gehen, und bei denen das Interesse zu ermatten beginnt; und schon wird man versucht, etwas wie- ,,Weitschweifigkeit“ oder ״Gemeinplätzliches“ in aller Form zu constatiren, da aber fährt mitten in diese weite und breite Entfaltung urplötzlich ein erhellender Geistesblitz, der mit überraschender Gewalt die Recensentenfeder aus der Hand schleudert und alle Kritelei und Mäkelei zu Boden wirft. Oder, was noch öfter geschiebt, der Verfasser nimmt selbst durch sehr wirksam angebrachte Anticipationen unsere etwaigen Bedenken auf, indem er sie zugleich durch eine originelle Wendung entkräftigt und heseitigt. ״Lächelt ob der Mahnung und nennet sie eine all tagliehe, gewöhnliche! — Meine Freunde, wahrlich, eine alltägliche ist sie, denn jeder Tag bestätigt sie“ u. 8. w. (S. 11.) Wessen Sinn nur nach wuchtigen, schwerbewaffneten Gedanken, nach geistreichthuendem Raisonnement, nach hochgehenden Reflexionen steht, der mag sich von diesen Blättern fern halten; wer aber in Predigten kernige Lehren, schwungwolle Mahnungen, reiche Fülle des Gefühls, reines Pathos, ungeschminkte Wahrheiten, hohen Ernst der Gesinnung und tiefe Frömmigkeit des Gemüths sucht, der trete hier ein, er findet hier all’ dies gar reichlich vertreten. Was das Judenthum im Ganzen und in seinen Gliedern, was die Gesellschaft und was die Menschheit nur bewegt, dieser Prediger zieht es vor sein strenges Forum. Vor Allem aber versteht er es vortrefflich, einen strengprüfenden Blick in das vielbewegte Innere des Mensehen zu werfen. Er greift tief hinein in die geheimsten An- und Absichten, lasst mit fast dramatischer Lebendigkeit die mannigfachen Gefühle des Herzens redend auftreten (vergl. u. a. 8. 10, 11 ff.), hebt hervor den Kern alles Wollens und Handelns, fragt nach dem Wie und Warum, nach dem Sollen und Müssen und reisst den Thaten unbarmherzig die falschen Deckmantel