Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
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in Frankreich; Ftälien, dbm Orient u. d. Nordküste Africa’s. 249 f Africa eingesetzten Consistorien bilden sollten. — Der Kriegsminister, der auch das Portefeuille für Algier hatte, und unter dessen oberster Leitung diese neue Colonie stand, berief um das Jahr 1844 eine Commission, aus Mitgliedern des Centralconsistoriums, Beamten der Cultusverwaltungen und einem Staatsrathe bestehend, damit sie auf Grund der erhaltenen Anweisungen einen Gesetzentwurf ausarbeitete, der die königliche Bestätigung erhalten und eine Art Verfassung für die algerischen Israelifcen bilden sollte, die ihrerseits tagtäglich einige ihrer frühem Gewohnheiten aufgaben, ohne jedoch die Eigenschäften zu erlangen, die das Product einer regelmässig fortschreitenden Civilisation und eines allgemeinen Unterrichts sind. Nun begannen Verwickelungen jeglicher Art; die MilitärVerwaltung, im Allgemeinen den Arabern mehr zugethan, mit denen sie zwar früher im Kriege lebte, die sie nun aber direct regierte, sprach durch einige ihrer einflussreichsten Mitglieder die Befürchtung aus, dass die Muhammedaner als ehemalige Herren des Landes mit scheelem Auge die Erhebung und Ausbildung der Juden ans eben würden, welche früher ihre Sclaven und in allen Stücken von ihnen abhängig gewesen waren. Die Civilbehörde wünschte dagegen die vollständigste Verschmelzung der Juden mit den Franzosen, aber ihr Einfluss war damals noch schwäs eher als heute. Diese Uneinigkeiten machten sich 1845 in Paris sehr fühlbar, denn trotz aller Verwendungen bei den Ministem und beim Könige blieb der Gesetzentwurf in der Mappe, und man hatte durchaus nicht die Absicht, ihn herauszunehmen. Die Berichte, welche fast jede Woche aus Algerien kämen, verlangten, dass man die Sache doch auf irgend eine Weise schleunigst zum Abschluss bringe; denn es gab keine Autorität, keine Institution mehr in den verschiedenen Gemeinden, die sich einzig und allein nur durch eine noch übrig gebliebene religiöse Scheu erhielten, welche aber auch im Verschwinden war. Da entschloss ich mich, von einigen Freunden ermuthigt, und von einem wohlwollenden Freunde, Herrn Fellmänn, später Hülfs Director von Algier, kräftig unterstützt,