Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829332-2829340-2862193--09987-2862222- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
/ 244 Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden \ von Maimonides' Mischnah-Commentar und ein grosser Tbeil des umfangreichen karaifcischen Commentars von J.ephet waren die vorzüglichsten Gegenstände dieser literarischen Ernte. Die orientalisch-jüdische Frage, oder um mich klarer auszudrücken, das Interesse, welches den europäischen Juden die Lage ihrer Glaubensgenossen in den muh amme dänischen Staaten einflösst, erhielt für die französischen Juden durch die Eroberung, die ihr glorreiches Vaterland in Africa gemacht hatte, jetzt einen Antrieb zu besonders eifriger Thätigkeit. Algerien war seit 1830 ein französisches Land, und Carl X. und Marschall Bourmont hatten der Juli Regierung die schwierige Aufgabe überlassen, es zu unterwerfen und zu organisiren. Je mehr die Iranzösische Armee ins Innere des Landes vordrang, auf desto mehr Juden^ stiess sie, und diese Pionniere der Civilisation waren überall herzlich froh, von der schimpflichen Herrschaft des Dey und seiner Soldatenwirthschaft befreit zu sein. Man muss es offen aussprechen: Ueberall in diesen Gegenden sind die Juden, selbst die unwissenden, die besten Helfer am Civilisationswerke; durch Handel lind Verkehr gelangen sie mit leichter Mühe dahin, wo eine Menge unübersteiglicher Hindernisse andern Kundschaftern den Weg versperrt, und ihre Wünsche, ihre Interessen wie ihr Glaube ziehen sie zum Lichte hin. Dies hat sich in Algerien wie in andern Gegenden hewahrheitet. Die Juden sind das orientalischste Volk im Occident und das oceidentalischste im Orient, öder, um mich anders auszudrücken, sie sind die besten Vermittler wahrer Civilisation. Zuerst in Algier und Blidah, sodann in Oran, seit 1838 in Constantine, und endlich nacheinander in Mascara und Tlemcen, in Medeah und Milianah, in Setif und Bona, wie in Laghuat und Djema-Gazouat, an den Grenzen von Tunis und von Marocco, unter allen Volkstämmen, bei den Kabylen und Arabern wie in den Oasen der Beni Mezab, überall fanden unsere Feldherren Juden; fast alle Expeditionscorps hatten jüdische Dolmetscher, in der Regel zwölf- bis vierzehnjährige Kinder, die *n kurzer Zöit französisch gelernt hatten und sich