Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 13)
- Language
- German
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in Frankreich, Italien, dem Orient u. d. Nordküste Africa*s. 213 Mühe gab, die Revidirung des Processverfahrens von reinen, unparteiischen, nur durch das Gerechtigkeitsgefühl geleiteten Händen za hintertreiben. Obwohl nahe an fünfundzwanzig Jahre seitdem vergangen sind, bin ich doch überzeugt, dass die beiden hier folgenden Briefe nicht ohne Interesse werden gelesen werden, und ohne äugenscheinlich darzuthun, auf welcher Seite sich das Gefühl für Gerechtigkeit und Schonung befand. Im Laufe des October 1842 schrieb die Frau Vicomtesse von Vadresse de Sur folgenden Brief an Herrn von Rothschild: ״Herr Baron! Es sind nunmehr zwanzig Jahre, dass wir mit einander bekannt sind, zwar nicht intim, aber doch so weit, dass Sie mich als eine ehrliche gerade Frau kennen, und dass ich Ihren Gerechtigkeitssinn, Ihre Güte und Ihren hohen Verstand würdigen gelernt habe. Ich bedarf dieser Präliminarien, bevor ich mich dem heissen Terrain nähere, auf welches ich mich stellen will. Herr von Rattimenton ist mein leiblicher Vetter, und, ich schwöre es Ihnen, der beste, humanste und loyalste der Menschen• man hat ihn unwürdig verleumdet, als eine peinliche Pflicht ihn zwang, in der traurigen Angelegenheit des Pater Thomas zu luterveniren. Weit entfernt davon, bei der Verfolgung der Angeklagten mit übertriebenem Eifer und Erbitterung vorgegangen zu sein, wie man ihm vorgeworfen, hat mein Vetter vielmehr mit grossem Eifer beim Pascha darum nachgesucht, dass der Process der schrecklichen Formalitäten entkleidet wurde, die mit dem mohammedanischen Gerichtsverfahren verbunden sind. Und was hat der Pascha ihm geantwortet? ״Herr von Rattimenton, vor Ihrer Ankunft ist ein Christ, der unter dem Verdachte des Meuchelmordes stand, gerade so behandelt worden, wie wir jetzt die behandeln, für die Sie sich in?s Mittel legen; Ihre Reclamationen, falls Sie welche vorgebracht hätten, wären für Ihre Glaubensgenossen ohne Erfolg gewesen, Sie müssen daher einselien, dass sie in dieser Angelegenheit nicht minder vergeblich sind.“ Was konnte Herr von Rattimenton alsdann noch thun, und wie hätte