Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 12)
- Language
- German
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212 ״ RacltblLck auf Zustände und Erfeignisse der Juden ' ־׳":'־.■•> nach, man wusste wenigstens das Leben der Unglückliehen Verleumdeten gerettet. Die Veröffentlichung des Wortlautes des vom Vicekönig erlassenen Befehls entsprach vollkommen den Wünsehen derjenigen, die statt der Wiederherstellung der ungestraft verletzten Menschenrechte nur einen Act der Gnade wünschten. Das Schauspiel im Orient näherte sich seinem Ende, und ohne die Vorsehung in den Kreis aller irdischen Streitigkeiten ziehen zu wollen, können wir doch nicht den blinden Zufall als den einzigen Herrn unserer Ent- Schliessungen anerkennen. Mehrned-Ali, der auf den von Paris aus ihm ertheilten Wink der jüdischen Gesandtschaft eine so gerechte und billige Forderung verweigert hatte, erlangte den Besitz Syriens, den Gegenstand seiner Wünsche, eben so wenig als Thiers das Ziel seines politischen Ehrgeizes. Mehmed-Ali musste sich mit dem Titel eines Vicekönigs von Egypten begnügen, und Scherif-Pascha verlor die Gouverneurstelle von Damascus. Der französische Ministerpräsident, welcher hätte bedenken sollen, dass Gerechtigkeit und Humanität niemals ihr Hecht verlieren, und dass ihre Stimme, die unserem Gewissen mit Bestimmtheit antwortet, niemals den Rathschlagen der so verschiedener Beurtheilung ausgesetzten Politik weichen darf, nahm wieder seinen Platz als Deputirter ein, ohne Herrn Rattimenton ferner schützen zu können. Dieser wurde aus Damascus abberufen, und sein Andenken hat dort den verdienten Lohn gefunden. Alle welche von Nah und Fern an dieser traurigen Angelegenheit betheiligt waren, sind gezwungen worden, der verletzten Gerechtigkeit die gebührende Sühne zu entrichten, und selten hat man die Strafe dem Verbrechen so deutlieh auf dem Fusse folgen sehen, denn wenn man auch im Anfänge eine Entschuldigung gelten lassen wollte für die Irrthümer, die man begangen, und in die man durch falsche Berichte oder durch die Leidenschaftlichkeit fremder den officiellen Kreisen fernstehender Personen verwickelt wurde, so erschien das Verbrechen doch in seiner ganzen Schändlichkeit, seitdem man sich alle erdenkliche