Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1866-01-01 · Heft 5 · p. Seite 180

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
15 (1866)
Issue
Heft 5
Article
Die Psalmen 120 - 135 nach ihrem Inhalte und ihren historischen Beziehungen erlätert
Date
1866-01-01
Page
Seite 180 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829332-2829338-2862057--09891-2862093
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

IM Die Psalmen 120—135 Standpunkt nicht, wie dies beim prophetischen Liede MoscheV der Fall ist [vergl. 5. M. 31, 21; 32, 5], deutlich angegeben wird, von ihrem Standpunkte aus gar nicht verstehen würden, und man muss alsdann das Prophetenwort für ein ursprünglich zum Zeugniss für spätere Geschlechter schriftlich niedergelegtes oder für ein im Kreise eingeweihter ״Prophetenschüler“ gesproebenes halten.) Ob solche Annahme möglich, ob sie bei allen ,biblischen Büchern, oder bei welchen sie nothwendig sei, das ist mehr durch das individuelle Glaubenssystem, als durch Forschung und Wissenschaft zu entscheiden. Die Hermeneutik bleibt jedenfalls von der Frage unberührt. Ueber unsere fünfzehn Psalmen nun sprechen die überwiegend meisten (älteren und neueren) Erklärer durch ihre Erldärungsweise mit Recht das selbst abgesehen von den Ueber- Schriften und deren Deutung einleuchtende Urtheil aus, dieselben seien Ergüsse einer Seele, die sich in der Stimmung der aus dem babylonischen Exil zurückkehrenden oder seit Kurzem zurückgekehrten Juden befunden habe. Denn im Ganzen wohlbegründet ist de Wette’s Behauptung, ,,dass man auf der fröhlichen Festreise schwerlich so traurige Lieder sang, wie die Stufenpsalmen zum Theil sind, z. B. P8. 120, 123, 130,a dass also diese Psalmen ursprünglich nicht gesungen worden, während Israel in glücklichen Tagen zu den Hauptfesten nach Jerusalem pilgerte. Wenn aber derselbe Gelehrte meint, ״zur Zeit der Rückkehr aus dem Exil konnte man nicht sprechen, wie Ps. 122, 1: Lasst uns gehen zum Hause des Herrn, und konnte nicht die Fülle von Gebäuden in Jerusalem rühmen, wie das. V. 3," 80 scheint dieser Behauptung ein doppelter Irrthum zn Grunde zu liegen. Einmal scheint er zu glauben, dass die Pss. als ״Heimkehrlieder“ alle auf die erste Rückkehr aus Babylon unter Serubabel Bezug haben mussten, während doch von Heimzügen in der Mehrzahl die Rede ist, und manche dieser Züge nach dem Aufbau des Tempels stattgefunden haben. Dann aber ist übersehen worden, dass der heil. Sänger in den angeführten Stellen des Ps. 122 einer entschwundenen Zeit gedenkt, in der man sich gefreut hat, nach dem Tempel zu ziehn, und über die Häuserpracht in der heil. Stadt erstaunt gewesen ist. *•# '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.