Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Psalmen 120 - 135 nach ihrem Inhalte und ihren historischen Beziehungen erlätert
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 2)
- Language
- German
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i» nach ihrem Inhalte und ihren hist. Beziehungen erläutert. 179 melodisch zu singende Lieder (J. Esra), in höherer Tonart zu singende Lieder (R. Saadja, citirt von J. E., dann Luther u. A.), Lieder mit Ge dankenrl13rthmus (deWette nach Gesenius), Lieder durch Geistesvorzüge hervorragender Männer (Sforno), oder Pilgerlied er resp. Lieder der aus dem Exil Zurückgekehrten, eigentlich der aus Babylon nach Palästina hinaufgezogenen Israeliten (Kimchi, nachher Knapp, Ewald u. A.) haben, ist eine streitige Frage.1) Die letztgedachte Erklärungsweise ist nicht in nothwendigem Zusammenhänge mit der Annahme, ein Späterer als David sei Verfasser dieser Psalmen. Solche historisch-kritische Fragen brauchen überhaupt zur Feststellung einer besondern Erklärung biblischer Bücher oder einzelner Theile derselben nicht entschieden zu werden. Denn wenn auch zum vollen Verständniss eines Psalms oder einer prophetischen Rede die riehtige Erkenntniss der Zeitverhältiiisse, der Stimmung, der Denkweise des Einzelnen wie der Gesammtheit u. 8. w.5 aus denen heraus, oder über die geredet wird, wünschenswert!!, ja nothwendig ist, und von solchen Erörterungen die Frage nach dem Verfasser kaum zu trennen scheint, so ist solche Trennung dennoch möglich und zwar, indem man, wie unsere alten Interpreten in solchen Fällen gewöhnlich thun, annimmt, ein früherer Autor habe sich in prophetischer Vision in eine spätere Zeit versetzt gefühlt und habe so gebetet, gesprochen, als ob er ein Späterer wäre. (Bei einer prophetischen Rede ist solche Annähme freilich schwieriger, weil die nicht von gleicher Vision erfüllten Zuhörer die Rede eines Propheten, der nicht bloss über spätere Ereignisse, sondern auch vom Standpunkte einer spätem Zeit zu ihnen spräche, wenn ihnen dieser J) Es ist auffallend, dass nach Raschi’s Erklärung die Aufschriften die Bestimmung der Lieder, auf fünfzehn im Tempel befindlichen Stufen gesungen zu werden, bedeuten sollen, während die Mischna Succah Absclm. 5, offenbar die Quelle dieser Deutung, das viel natürlichere umgekehrte Verhältniss annimmt, die fünfzehn Tempelstufen seien diesem Psalmencyclus entsprechend erbaut worden, und auch im Talmud daselbst eine ganz andere (agadisclie) Erklärung für die Zahl der Psalmen angeführt wird. 14°