Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Beiträge zur Alexandersage
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 5)
- Language
- German
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Beiträge zur Alexandersage. 165 und musste die Ablehnung der Beantwortung auf andere Weise zu erklären versuchen. Aus dem bisher Gesagten ergibt sich also mit ziem- Hoher Gewissheit, dass die Sage von dem Zuge Alexander’s nach der Quelle des Lebens dem Parsismus ihre Entstehung verdankt, und dass trotz der mannigfachen Veränderungen, die besonders das Judenthum und der Islam an ihr vorgenommen haben, sich die Spuren ihres persischen Ursprunges noch deutlich erkennen lassen. Allein einen wichtigen, höchst interessanten Zug scheint sie doch aus dem Judenthume erhalten zu haben, nämlieh die Erzählung von dem wunderbaren durch Nichts aufzuwiegenden Schädel, der dem Alexander an der Pforte des Paradieses überreicht worden. Zu dieser Annahme bestimmen uns vor Allem folgende zwei Umstände: erstens eignet sich der Schädel mit einem Menschenauge weit besser zum Symbol der unersättlichen Gier und der Ohnmacht des Menschen als der Stein, von dem in den arabischen und persischen Alexanderbüchern die Rede ist; sodann aber fehlt bei Firdusi, der in seinem Königsbuche die Thaten Alexanders, sowohl die historischen wie die erdichteten sehr weitläufig und mit vielem Glück behandelt hat, und dessen Darstellung bis auf den heutigen Tag die populärste im ganzen Orient ist, dieser wesentliche Theil der Sage gänzlich, und man kann wohl mit Fug und Recht hieraus den Schluss ziehen, dass diese Erzählung zu seiner Zeit noch nicht allgemein bekannt gewesen ist. Denn es lässt sich nicht wohl annehmen, dass ein Dichter, wie Firdusi, der auch die minutiösesten Dinge der Erwähnung werth hält, diese Herz und Gemüth ansprechende Erzählung unberücksichtigt gelassen haben würde, wenn er in persischen Quellen irgend eine Andeutung darüber gefunden hätte. Von den Juden aber kann diese Erzählung sehr wohl ersonnen sein, um den Bibelvers: .,Die Hölle und das Verderben sind nimmer satt, und des Menschen Augen sind unersättlich“ durch ein passendes Beispiel zu erläutern; haben ja doch sehr viele im Talmud und in den Midraschim vorkommende Legenden nur den Zweck, die Wahrheit irgend eines