Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension] / H.
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rezensionen und Anzeigen. 157 schicken sie die Brüder in ihren Weinberg (ganz evident durch v. 15), aber angelockt von der Schönheit der Natur entfernt sie sich von Ihren Landsleuten, welche sie vergebens suchen (hier wird ein salto mortale von 0. 2 bis 7, 1. 2 gemacht, aus dem all’ das Gesagte klar hervorgehen 8011); auf dieser einsamen Wanderung erblickt sie Salomo, der von ihrer Schönheit gar sehr betroffen wird (wieder 6, 4—9, was thut'8die Handlung bewegt sich von unten herauf!) und sie in den Harem bringt, wo sie aber natürlich dem König tapfer widersteht und ihrem . Geliebten die Treue bewahrt, der sich aber gar nicht finden lässt. So weit die feingesponnene Erzählung. Hier lässt sich eigentlich weniger beweisen als fühlen. Aber an einigen Beispielen wollen wir doch die Willkürlichkeit dieses Verfahrens auch zeigen. ״Fanget uns die Füchse doch u. 8. w.“ sollen die Brüder der Schwester zurufen. Warum aber der Plural? Warum sollen nicht eher die beiden Liebenden, uin sich die Beobachter vom Halse zu schaffen, dies den Brüdern zurufen? Oder warum kann es nicht eben so gut eine Apostrophe an die Töchter Jerusalem^ sein, die so oft hier angesprochen werden? Die Brüder sollen sie in ihren Weinberg schicken, aus 1, 6 geht ja aber deutlich hervor, dass die Brüder sie zur Hüterin über 'fremde Weinberge und zwar über die des Königs machten (8, 11, 12), während sie ihren eigenen (שלי / לפני) nicht hüten konnte. Und was spricht gegen die Auffassung, dass sie in 7 den Geliebten gefunden, da sie ihn doch (v. 12) geradezu anspricht! Man sieht, wie vage derartige Deutungen sind! Ein geschickter Deutungskünstler kann, wenn er Verse versetzen, ergänzen, emendiren, das Oberste zum Untersten machen will, allen möglichen Inhalt und Zusammenhang in dieses Lied hineinbringen. Aber es ist eben Alles nur raffinirte Kunst, und eine Sünde gegen die hohe Ursprünglichkeit, die reine Natürlichkeit dieses höchsten Liedes. Wir haben hier eben nur verschiedene idyllische Bilder vor uns, deren volles Verständnis8 sich uns jetzt entzieht, und das man lieber aufrichtig eingestehen sollte. Dies Alles trifft natürlich weniger unsern Verf., der jener Auffassung, die gang und gäbe ist, sich nur anschliesst. Die religiöse Poesie bietet natürlich viel reichere Stoffe dar, in welchen die Psalmen die hervorragendste Stelle einnehmen, die denn auch unser Verf. einer gründlichen und tief