Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829332-2829337-2861995--09837-2862029- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
140 Aphorismen wäre nicht nur überflüssig und entbehrlich, sondern würde dem Plane der Weltordnung widerstreben, zu einer That der Will״ kür herabsinken. Wenn die Menschheit einmal auf dem Sinnenwege durch Wunder erfahren hat, dass Gott Herr ist der Natur, freiwillig in ihr waltet, und die geistige Sittlichkeit anordnet und heiligt, und der Einzelne durch innerliche Wunder, durch Vorgänge an sich und um sich, ihre ungewöhnliche Wirkung und seine geistige Auffassung hingeleitet wird, es sich vorzustellen, zu wiederholen und anzuerkennen, so ist der ideale Plan der Schöpfung ausgeführt, und ihre Bestimmung erfüllt; die ursprfinglich prädestinirte Wunderkraft hat dann ihr Ziel erreicht und keinen Grund, sich wieder zu bethätigen. In der That treten uns auch im Pentateuch nur zwei 801eher äusserlichen Wunder entgegen: Der Durchgang durch das Meer, und die Offenbarung am Sinai. Ersteres zeigt uns, dass Gott die Einrichtungen und Gesetze der Natur auf heben kann, als Herr in ihr frei waltet, und das Prinzip der Gerechtigkeit verwirklicht, indem er den Unschuldigen errettet, und den Schuldigen bestraft, also innerhalb der Schöpfung geistige Zwecke verfolgt. Es bekundet darum dieses Wunder seine הגדולח "VS seine heilige Allmacht und geistige Thätigkeit, und ist gleichsam ein Gommentar zur richtigen und wahren Auffassung der Natur, dass ein intelligenter Geist sie gesetzt, sie frei erhält und in ihr wirkt, dass die Schöpfung nicht eine That unbewusster Nothwendigkeit, sondern das Werk selbstbewusster Freiheit sei. Es ist eine Wahrnehmung durch'8 Auge. Das andere dagegen belehrt uns über unsere geistigen Pflichten als Befehle des göttlichen Willens, ihn als Weltengeist und waltende Vorsehung anzuerkennen, andere Gewalten nicht abgöttisch zu verehren, und Selbstheiligung, Gerechtigkeit und Sittlichkeit zu erstreben. Wie die zehn Gebote die Aufgabe des Menschen, als Diener des Weltengeistes sich zu bewähren, zeichnen und darstellen, und wie sie die vollständige Unter- Weisung erfüllen, ist eine Betrachtung, die nicht hierher gehört, und die wir für eine andere Zeit uns Vorbehalten. Diese Wunderverkündigung ist gleichsam die Uebersetzung der Innern eingegebenen G eis tesp flicht e 11 in menschliche Worte und men schliehe Sprache, und zeichnet uns so den ursprünglichen Willen Gottes bei Schöpfung des Menschen deutlich fassbar und ver-