Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 5)
- Language
- German
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über die biblischen Öftenbarungs-Wunder. 189 unter solchen Umständen, dass das dieselben wahrnehmende Individuum gleichviel ob durch die änsserliclie Ungewöhnlichkeit oder die innere Ergriffenheit sich gezwungen sieht, Wunderbares in ihnen anzuerkennen, und sich herauszudeuten, so wird es eben erst durch diese Anerkennung und Deutung über das belehrt, was das Wunder verkünden soll. Wenn aber ausserordentliche widernatürliche Erscheinungen und Ereignisse sich ihm zutragen, dass der Mensch das Wunderbare an ihnen selbst erkennt, so wird er durch dasselbe zugleich schon unterwiesen über das, wozu das Wunder bestimmt ist. Jene sind Wunder, die innerlich im Geiste und der Auffassung sich zu solchen gestalten, diese dagegen solche, die aus8erlich in ihrem Wesen selbst als solche zutn Vorschein kommen. Die innerlichen Wunder, insofern sie nur durch ihre Wirkung und ihre Auffassung den Charakter des Wunderbaren an sich tragen, sind gleichsam nur individuell, und vollziehen sich in dem Sinne des einzelnen Menschen•י die äusserlichen dagegen, indem sie das Wunderbare in dem Wesen der Erscheinung und des Ereignisses enthalten, sind universell, und stehen selbst für ihre Anerkennung ein. Jene erwirken das Wunderbare‘ im Geiste, und belehren uns erst durch diesen, also mittelbar, diese tragen es selbst in sich, belehren uns also durch sich selbst, also unmittelbar. Wenn nun die Bedeutung und Bestimmung der Wunder zweifacher Art ist, nämlich die Menschheit über die innenlebende Grundwahrheit zu belehren, dass die Allmacht und Allweisheit nicht eine unbewusste ursächliche NothWendigkeit, sondern eine intelligente, selbstbewusste, zweckthätige, freiwillige Gottes- Wesenheit sei, und sie über ihren geistigen Beruf zu unterrichten, dass die ihr eingegebenen sittlichen Pflichten der Heiligung und Gerechtigkeit als Gebote des Weltengeistes zu befolgen seien, so folgt daraus, dass zwar die innerlichen, die für jedes Individuum und dessen Auffassung geschehen und prädestinirt sind, sich nach Bedürfniss gar oft und für jedes wiederholen können, die äusserlichen dagegen, die durch ihr Wesen für die Allgemeinheit belehrend und massgebend sein sollen, für jede Art ihrer Bestimmung nur Einmal geschehen dürfen. Eine Wiederholung derselben, nachdem Wahrheit und Lehre in sinnesgemässer Erfahrung zur Erkenntniss gebracht worden sind, 11*