Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 4)
- Language
- German
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138 Aphorismen die geeigneten Organe gebildet wurden, die dann naturgemäss auf die Gehörorgane wirkten, und von ihnen vernommen wur״ den, oder dass die Gehörorgane dergestalt durch den Donner etwa afficirt wurden, dass jene Laute gehört wurden. Die Menge hat sie einmal gehört und vernommen, und wird darüber nie in’s Klare kommen, in welcher Weise es geschehen ist, was für die Wahrnehmung auch gleichgültig ist, ob durch wirkliche Laute oder Donner, die ihnen wie Laute ertönten. Wenn wir über die Grösse des Wunders in dieser Erscheinung uns ein Urtheil bilden wollen, so wird freilich die widernatürliche Affection des Gehörsinnes, die bei jedem Einzelnen aus der versammelten Menge geschehen sein musste, uns wunderbarer und grossartiger erscheinen müssen, als die Bildung von Lauten ohne Sprachorgane, die nur einmal vorgenommen zu werden braucht. Für das Wunder jedoch ist es gleich, wie es vollbracht wurde*, es bleibt ein solches, und deutet auf die Geistesallmacht hin, die die sittlichen Gebote verkündete und dadurch heiligte. Wohl theilen die Wunder sich aber in Wirklichkeit für uns in innerliche und äusserliche, d. h. sie sind in Beziehung auf die Natur entweder positiv oder negativ, und auf den Menschen geistig oder wesentlich. Das Wunderbare an ihnen, gleichviel in welcher Weise, ob durch den Gegenstand oder die Sinne es zur Wahrnehmung kommt, kann entweder in ihrer Wirklichkeit und Thatsächliehkeit, d. h. in ihnen selbst liegen, oder in ihrer Wirkung und Bedeutung, d. h. in ihrer Auffassung. Die Wunder nämlich treten uns doch immer innerhalb der Schöpfung entgegen, und werden da mittelst der Sinne wahrgenommen; sie können sich demnach als wirkliche, äusserliche, von der Ordnung der Natur abweichende Erscheinungen und Gebilde darstelien, oder aber in dem wunderbaren Effect, in dem ungewohnlichen von ihnen erreichten Zwecke, als einem innerlichen geistigen Vorgänge, als solche kennzeichnen. In dem einen Falle besteht das Wunderbare in dem Wesen der Erscheinung, oder in der Affection der Sinne, in dem andern in der Auffassung des Menschen, oder in der Wirkung derselben. Wir wollen dies durch Beispiele erläutern. Wenn ordnungsgemässe, natürliche Erscheinungen oder Ereignisse so eintreten, mit einem solchen Glanze, einer solchen Macht, Stärke und Wirkung, mit einem solchen Effect, zu einer bestimmten Zeit und