Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829332-2829337-2861995--09834-2862026- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
über die biblischen Offeitbarungs-Wunaer. über die biblischen OfFeitbarungs - Wunci< zweckdienlichen Walten des Geistes ihren Ursprung haben und begründet sind. Es ist hierbei nun ganz gleichgültig, und auch wohl nie zur Entscheidung zu bringen, ob das Wunderbare in den erscheinenden Gegenständen oder in den wahrnehmenden Sinnen erzeugt und hervorgebracht worden, ist, mit andern Worten, ob wirklich in der äussern Welt Erscheinungen und Ereignisse gebildet worden sind, die ganz adäquat auf die Sinne wirken, und von ihnen wahrgenomrnen werden, die aber mit der Natur nicht übereinstimmen, und von ihr nicht ausgehen, oder ob die menschlichen Sinne derart afficirt worden sind bei der Innern Wahrnehmung, dass ganz natürliche Erscheinungen und Ereignisse nicht adäquat auf sie einwirken, und daher von ihnen ganz anders aufgefasst werden. Im ersten Falle liegt das Wunderbare in dem gebildeten und erzeugten Gegenstände, der sich natürlich nicht erklären lässt, im andern in der veränderten und inodificirten Wahrnehmung, die mit der naturgeinässen nicht übereinstiinmt. Gleichviel aber ob die natürliche Beschaffenheit des Gegenstandes oder die natürliche Kraft der Sinne sich verändert und umbildet hat; die Veränderung und Umbildung ist der Natur der Dinge entgegen, ist von ihr nicht ausgegangen, zeigt auf einen andern Ursprung hin, auf den waltenden Geist, und ist somit eine Wunderthat. In welcher Art sie jedoch thatsächlich geschehen ist, kann nie ermittelt und festgesetzt werden. So wenig je bestimmt werden kann, wie ein Ding an sich in Wirklichkeit ist; eben so wenig kann je bestimmt werden, wie die wunderbaren Erscheinungen und Ereignisse an sieh thatsächlich waren, ob so oder anders, wie sie zur Wahrnehmung kamen. Für die Wahrnehmenden sind sie so und nicht anders, als sie erscheinen. Sein und Erscheinen ist für sie gleich; denn sie nehmen nur das Bild wahr, das an den Sinnen zum Vorschein kommt, gleichviel ob diese durch die Gegenstände selbst, oder durch eine anderartige aussergewöhnliche Einwirkung afficirt worden sind. Die wahrgenommenen Wunder bleiben immer Wunder. Wir wollen dies an einem Beispiele deutlich machen. Die am Fusse des Berges Sinai versammelte Menge hörte eine redende Stimme inmitten des Feuers, sah aber keine Gestalt. Es war dies eine Wundererscheinung, und konnte dadurch hervorgebracht worden sein, dass entweder wirklich Laute ohne Frankel, Monatsschrift. XV. 4. 11