Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Beiträge zur Alexandersage
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829332-2829337-2861994--09822-2862015- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
L f..,;.-rar .V; V^'.1*■ £, :"ל^^׳ 126 Beitrage zur Alexandersagei scheinung fragte, antworteten sie ihm: ״Dies ist der'Schädel eines Menschen von Fleisch und Blut, dessen Auge unersättlich ist." ״Woher wisst ihr dies?" wandte jener ein. Alsbald nahmen sie ein wenig Erde, streuten sie auf den Schädel, und die Wagschale sank herunter. So heisst es auch in der Schrift (Prov. 27): ״Die Hölle und das Verderben sind nimmer satt, und des Menschen Augen sind unersättlich." Die arabischen, persischen und türkischen Alexanderromane lassen die Reise ihres Helden nicht der Auffindüng des Paradieses, sondern der Quelle des Lebens gewidmet sein; diese Quelle, die einen herrlichen Glanz verbreitet, deren Anschauen das grösste Glück gewährt, das dem Menschen zu Th eil werden kann, besitzt die Kraft, denjenigen, der von ihrem Wasser getrunken, unsterblich zu machen. Alexander hört von dieser Quelle, und da ihn kein Hinderniss schreckte, wenn es galt, sein Ansehen und seinen Ruhm zu vermehren, beschloss er, trotz mannigfacher Warnungen, das gefahrvolle Unternehmen zu wagen und die Quelle aufzusuchen. In seinem Heere befand sich der Prophet, oder nach Andern der Grossvezier Alchidr; dieser wird von dem Könige vorausgeschickt und findet mit Hülfe eines Siegelringes, den ihm Alexander mitgegeben, die Quelle wirklich auf, trinkt aus derselben und wird unsterblich, kehrt aber nicht zu Alexander zurück, da eine Stimme verkündet, es sei dem Alexander nicht vergönnt, die Quelle zu schauen. An der Quelle selbst ereignet sich das Wunder, dass ein getrockneter Fisch, der in derselben abgewaschen wird, in dem wunderwirkenden Wasser plötzlich wieder auflebt und den Händen Alchidr’s entspringt. Alexander, der vergebens die Rückkehr seines Abgesandten erwartet, irrt rath- und trostlos vierzig Tage in der von undurchdringlieber Finsterniss bedeckten Wüste umher, zerfallen mit der Welt und mit Gott und in Verzweiflung darüber, dass er des höchsten irdischen Glückes nicht theilhaftig werden soll. Da erscheint ihm der Engel Sorosch, ermahnt ihn, von seiner unersättlichen Begier abzulassen, und sich mit dem zu begnügen, was das Schicksal ihm bestimmt