Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Beiträge zur Alexandersage
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
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Beiträge zur Alexandersage. 123 des Grossen, auf sein rasches Emporsteigen bis zur hochsten Stufe des Ruhmes und Glückes, auf sein rastloses und unersättliches Streben nach Vergrösserung seiner Macht, auf seinen jähen Tod, der ihn in der Blüthe seines Lebens ereilte und seiner Siegeslaufbahn plötzlich ein Ziel setzte, als auf ein passendes Beispiel menschlicher Schwäche und Ohnmacht hingewiesen. ״Alexander, der mächtige Eroberer," so singt ein arabischer Dichter, ״dessen Herrschsucht niemals befriedigt werden konnte, dem alle Kostbarkeiten der Erde nicht genügten, bot, als die Stunde seines Todes herannahte, dem Schicksale vergebens eine ganze Welt an, die er erobert hatte, für wenige Stunden, um die er sein Leben verlängert zu sehen wünschte." Solche Betrachtungen waren es wohl vorzugsweise, welche die Alexandersage bei allen Völkern so beliebt machten, und welche hauptsächlich die Priester und Lehrer des Volkes zur Ausschmückung und Ausbildung derselben anregten. Auch der Talmud und die Midraschim enthalten manche Sagen über Alexander; so wird unter Anderem erzählt, dass die von den Juden besiegten Völker dieselben vor Alexanders Richterstuhl wegen unrechtmässiger Aneignung ihres Landes verklagt hätten, vom Könige aber nach einer gediegenen Vertheidigung der Juden abgewiesen worden seien. Der jerusalemische Talmud berichtet von einer, auch in mehreren abendländischen Alexanderromanen erwähnten Luftfahrt, die Alexander unternommen, um den ganzen Erdball zu überschauen und in den Himmel zu fliegen. Am bekanntesten ist die im Tractate Joma aufbewahrte Legende, welche seinen Zug nach Jerusalem, seine Anerkennung des wahren Gottes und sein freundliches Verhalten gegen die Juden erzählt, eine Legende, die ihren Ursprung dem bei den Juden wie bei allen Völkern vorhandenen Wunsche verdankt, den grossen König zu dem Ihrigen zu machen, oder ihn doch wenigstens in möglich nahe Beziehung zu ihnen treten zu lassen. Dieser Zug nach Jerusalem, den vor Allem Pseudo-Josephus sehr ausführlich behandelt, ist in vielen abendländischen Alexanderromanen aufgenom- 10*