Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 14)
- Language
- German
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108 Aphorismen der Mensch ohne sie die Grundwahrheit des Lebens sich erworben und wiedergewonnen, und seine geistige Bestimmung sich bewahrt und erhalten hätte, als dass sie in Wirklichkeit geschehen sind; Denn sollten vielleicht die Schrecken der Elemente, die zwar nothwendig aus den sie bedingenden natürlichen Ursachen her- Vorgehen müssen, den Menschen aber in ihrer Kindheitsstufe als Allmachtszeichen eines freien herrschenden Willens erscheinen, und die Prüfungen des Lebens, die zwar unerlässlich aus den veranlassenden Umständen sich bilden, den kindlichen Seelen aber als Strafen für die verletzte Sittlichkeit sich gestalten, Lehrer und Verkünder der Wahrheit und Lehre gewesen sein, so würden diese nur durch eine Täuschung und einen Irrthum dem menschlichen Geschlechte vermittelt und überliefert worden sein; was aber mit der Wahrhaftigkeit und Allweislieit des Weltengeistes ganz unvereinbar wäre. Die elementaren Erscheinungen sind auch an sich unsichere und unklare Zeichen der freien Allmacht, und erweisen sich als zur Natur gehörig, als unwahr und täuschend; die Prüfungen aber zeigen sich hei <ien Mitgeschöpfen durchaus nicht als Strafen, und scheinen zuweilen für ganz entgegengesetzte Erfolge einzutreten, wenn nicht eine anderartige positive Belehrung erklärend zur Seite stehend, die wahre und richtige Auffassung vermittelt und erweist. Zudem, ganz abgesehen von dieser Betrachtung, zeigt uns die Geschichte deutlich und unzweifelhaft, dass die eie mentaren Schrecken und die socialen Prüfungen, die doch überall sich zugetragen haben, nicht hi □reichten, Wahrheit und Lehre zu vermitteln, zu verkünden und zu verbreiten. Denn überall, wohin der Glaube an die Wunderthaten Gottes, wie sie im Judenthume erzählt werden, nicht gedrungen ist, haben die Menschen zur Erkenntniss der Gotteswahrheit sich nicht erheben, und zur sittlichen Heiligung und menschlichen Gerechtigkeit nicht , gelangen können, obgleich sie gleiche Schrecken und gleiche Prüfungen erfahren haben. Durch die Wunderwerke allein ist dieses hohe Ziel erreicht, und die Menschheit zur wahren Erkenntniss hingeführt worden. Der Glaube daran kann daher auf keinem Irrthum und keiner Täuschung beruhen, kann rein menschlichen Schwächen nicht entsprungen sein, weil