Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 13)
- Language
- German
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über die biblischen Offenbarungs-Wunder. 107 lehren, dass er nach seinem geistigen Wesen im Dienste des Weltengeistes stehe. Eine solche Belehrung des Menschen über seine geistige Bestimmung ist an sich schon ein Wunder, und konnte auch nur durch ein solches mitgethei.lt werden, da die Natur in ihren Vorbildern ihm gerade das Gegentheil Vorhalt lind empfiehlt. Sie stellt ihn den andern Wesen gleich, und sucht durch ihre Triebe zu bestimmen, in ihrem Dienste thätig zu sein, während er gerade seinen geistigen Entschliessungen für sittliche Zwecke folgen und im Dienste Gottes wirken soll. Von Gott mussten ihm also seine geistigen Pflichten verkündet werden; das konnte aber nicht mittelbar durch die Natur, sondem unmittelbar von ihm selbst durch ein Wunder geschehen. Freilich verlieren dadurch die Handlungen an sittlicher Bedeutung, dass der Mensch durch die Macht des Wunders erst dazu angeleitet und bestimmt wird, aber sie gewinnen auf der andern Seite wieder an innerem Werth dadurch, dass sie sich als Gebote Gottes darstellen. Durch sie wird der Mensch vor den Verlockungen der Natur bewahrt, für den Dienst Gott, Gerechtigkeit und Sittlichkeit gewonnen, und lernt seine höhere Be- Stimmung erkennen. Die Wunder als solche sind darum im Haushalte der Schopfung für die erfahrungsm'ässige geistige und sittliche Belehrung des Menschen unbedingt nothwendig und erforderlich. Sie haben die zwiefache Bestimmung, die Grundwahrheit des Lebens von einem Weltengeiste und einer moralischen Weltordnung im Sinnenwege darzubieten, und den Menschen über seine geistige Aufgabe zu belehren. Sie stehen an sich im vollen Gegensätze zur Naturthat; sie gehen nicht aus den Bedingungen der Naturkräfte, sondern aus dem Willen eines wirkenden Geistes, nicht aus den vorangehenden Ursachen, sondern aus den erfolgenden Zwecken hervor; sind nicht die Schöpfung der gesetzten gebundenen Natur, sondern das Werk des setzenden freien Geistes. Sie mussten geschehen, um die in ihnen erstrebte Belehrung zu erreichen, und wahrlich! es wäre ein weit grösseres Wunder, wenn die geistige und sittliche Entwickelung־ des Menschen ohne sie erreicht worden wäre, wenn bei dem unfreien Walten der Naturkräfte, in denen ein freiwaltender Geist sich nirgends kund gibt, bei dem mächtigen Drängen der Naturtriebe, in denen Sittlichkeit, Heiligung und Gerechtigkeit sich nicht voründet,