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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1866-01-01 · Heft 3 · p. Seite 106

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
15 (1866)
Issue
Heft 3
Article
Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder
Date
1866-01-01
Page
Seite 106 (sequence 12)
Language
German
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106 Aphorismen sehen überwanden werden soll. Die Wunder sind also nicht Zeichen und Beweise, Zeugen und Bürgen gewisser Wahrheiten und Lehren, sondern die alleinigen sirmesfälligen Vermittler und Verkünder der Grundwahrheit des Geistes. Sie sollen nicht überraschen, Verwunderung und Staunen erregen, und die Gemüther gewaltsam durch das Geheimnis« - volle, Unerklärliche und Verborgene erobern, sie sollen auch nicht Wahrheit und Lehre beglaubigen, bekräftigen und ürkundlieh besiegeln, sondern erfahrungsmässig durch Vermittelung in sinnlichen. Erscheinungen, in Bildern oder Lauten, sie lehren, verkünden und darstellen. Sie sollen durch sich selbst die Wahrheit erkennen lassen und die Lehre inittheilen. Die Wunderthat, als ein erscheinendes Bild vor den men schliehen Augen, die sich noch nie zugetragen, und die eine Störung und Aufhebung der Ordnung und Gesetzmässigkeit der Natur voraussetzt, soll in sinnengemässer Erfahrung erweisen, dass der Weltengeist Herr ist der Schöpfung, beliebig in ihr schaltet, aus Gründen der Gerechtigkeit ihre Gesetze ändert, sie mit Bewusstsein ordnet, und nach seinem Willen nur bestehen lässt. Diese Wahrheit wird liier nicht etwa bestätigt, und hört durch die wunderbare Macht der Erscheinung nicht auf, eine Wahrheit zu sein, weil sie nicht aus dem Innern stammt, ’ sondern gewaltsam durch die Macht des Wunders aufgezwungen wird, sondern sie wird, wie sie aus dem Innern stammt, so gerade durch die Sinne erkannt, und in dem Wunder offenbart. Denn nur durch dieses allein kann gezeigt werden, dass die Natur nicht ein Product blinder Nothwendigkeit, sondern die Schöpfung selbstbewusster Freiheit sei, das Ergebniss höchster lntelligenz. Wie anders auch konnte der Gedanke von der Freiheit des Urwillens, der moralischen Weltordnung und der hochsten Zweckmässigkeit in Wahrheit erfasst und in Wirklichkeit dargestellt werden, als dass die Natur einmal von ihrer ein gehaltenen Bahn abweicht, und zum Schutze der Gerechtigkeit ihre Einrichtungen geändert, und für höhere Zwecke ihre Kräfte vernichtet werden? Die Wunderverkündigung wieder, als eine vernehmbare Mittheilung, ein Wunderereigniss, das sich nicht wiederholt, und eine Veränderung und Abweichung von den Natureinrichtungen bedingt, soll dem Menschen, seine Pflichten als Gebote Gottes

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