Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 11)
- Language
- German
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über die biblischen Offenbarungs-Wunder. 105 Erfahrungen, die er dort machte. Die innerliche Erkenntniss aus sich selbst, die nicht auf dem Sinnenwege sich ihm vermitte he, verlor sich in den drängenden und treibenden Erscheinungen der äussern Sinnenwelt. Er sah da die blinde Nothwendigkeit, die eiserne Consequenz des Causalnexus, die unveränderliche Folge von Ursache und Wirkung, und vermisste darin die waltende Vorsehung, die gnadenvolle Liebe zu den Geschöpfen, die Alles leitende Intelligenz, die heiligende Gerechtigkeit. Seine Gottheiten wurden ihm daher die nackten Kräfte und Erscheinungen der Natur, denen er nach ihren Manifestationen und Wirkungen gewisse Eigenschaften beilegte, und die er sich idealisirte und dann abgöttisch verehrte. Er erkannte da wieder sich selbst auf gleiche Stufe mit allen andern Geschöpfen herabgedrückt, mit denen er gleiches Loos und gleiches Schicksal des Entstehens, Vergehens und der Veränderung theilt, lauschte ihnen ihre Ungerechtigkeit, Gewalttätigkeit und unheilige Befriedigung der aufgeregten Leidenschaften ah, und folgte dem egoistischen Triebe der Selbsterhaltung. Er lernte so sein inneres Wesen, sein geistiges, ganz verleugnen, und verlor den wahren Geistesbegriif in sich. Auf dem Sinnenwege mussten darum dem Menschen die ihm angestammte beseligende Wahrheit von dem Dasein eines Weltengeistes und die heiligende Lehre von seinem hohem geistigen Berufe, wenn sie ihm erhalten und gerettet werden sollten, wieder vermittelt und zur Erkenntniss zugeführt werden. Es musste ihm in sinnlichen Erscheinungen die Wahrnehmung und die Ueberzeugung beigebracht werden, dass die Natur im Dienste der Liebe, Gerechtigkeit und Heiligung thätig, und er selbst gleichem Dienste geweiht sei, dass der Urgeist mit freiem .Willen in ihr schaltet, sie leitet und nach Einsicht ihre Ordnung auf heben kann. Solche Wahrnehmung kann aber nur durch Wunderthaten vermittelt werden, und sie mussten geschehen, um die Wahrheit von dem Walten eines freien intelligenten Geistes in der Natur und die Lehre vom geistigen Wesen des Menschen in sinnlicher Art erfahrungsmässig zur Erkenntniss und Ueberzeugung zu bringen. Sie sollen darthun, dass die ursächliche Nothwendigkeit in der Natur durch die zweckmässige Freiheit des Geistes verwendet, aber auch gestört und vernichtet werden kann, dass sie für Gott nicht besteht, und im Men-