Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 8)
- Language
- German
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102 Aphorismen nicktet zu werden, und da die Natur eben so wenig aus nichts schaffen, als in Nichts verwandeln kann, nicht wie andere Wesen metamorphosirt, und in eine andere Gestalt uaigebildet werden kann, — und ahnt und trägt die Ueberzeugung von der Ewigkeit seines geistigen Theils in sich. Der Mensch betrachtet sich also für sein geistiges Theil als Selbstzweck, und tritt somit aus dem Bereiche der Naturthätigkeit hinaus. Seine persönliche Freiheit schiiesst die unbedingte Einwirkung der Naturkräfte aus, vernichtet alle unbewussten Triebe, und geht nicht mehr von der Natur aus. Denn da mit der Freiheit des Willens die natürliche Reihenfolge und der stereotype Causalnexus aufgehoben ist, und eine neue Reihe von Wirkungen mit seiner Entschließung beginnt, so müsste die Natur in ihr, was aber unmöglich ist, sich seihst vernichtet, und ihre Kräfte neutralisirt haben. Die persönliche Freiheit im Menschen kann daher auch kein Gebilde und keine Schöpfung der Natur sein, und steht ihr gegenüber; sie muss aus einem andern Wesen hervorgeben, das bei der natürlichen Entstehung des Menschen die Kräfte und die Triebe der Natur vernichtet, und sein geistiges Dasein setzt. Dieses Wesen kann aber nur Go.tt; der Geist in der Natur sein. Dieser Schluss nämlich liegt in der wahren und dem Mensehen eigenen Anschauung tief begründet, nach dem Causalnexus auf eine Urkraft zurückzukommen, aus der jedes Gebilde und jede Wirkung hervorgeht und hergeleitet werden kann. Der Mensch muss danach sich eine Urkraft denken, in der die Ent- Stellung seines Geistes in seiner Freiheit- und Freiwerdung von jeder Naturnotwendigkeit begründet ist, und sich verwirklichen kann. Da nun aber sein Geist frei, selbstbewusst, denkend, nach Zwecken handelnd, gerecht und heilig ist, so muss nothwendig auch diese Urkraft, als Schöpfer und Bildner desselben, frei, selbstbewusst, denkend, Zwecke erstrebend, gerecht und heilig sein. Denn wäre er es nicht, so könnte unmöglich sein Geschöpf es sein; es müsste sonst etwas aus Nichts oder durch sich selbst entstehen, wofür keine Analogie vorhanden ist, und was der menschlichen Anschauung widerspricht. Der Mensch schiiesst also aus seinem eigenen Wesen auf einen Gott, der Weltengeist ist, der die Natur gesetzt und aufhebt, und den Menschengeist bildet, und vindicirt ihm die moralische, selbst•