Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 7)
- Language
- German
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über die biblischen Offenbarungs-Wunder. 101 schränkt, spricht sie ihm doch die freie Entschliessung ab. Wie die Schöpfung aus nichts in ihr als unmöglich sich erweist, so wird auch die That des Menschen aus freiem Willen, d. h. ohne jede bedingende Ursache, also aus Nichts, als undenkbar bezeichnet. Und welche Lehren ertheilt sie dem Menschen in ihrem Vorbilde? Sie nöthigt die Wesen, ihren inneren Trieben zu folgen, und verkündet laut als das höchste Grundgesetz des Lebens den crassesten Egoismus cler Selbsterhaltung; sie kennt keine Heiligung des eigenen Wesens, keine Gerechtigkeit gegen Andere. Wenn der Mensch ihr als Führerin folgen wollte, er würde zum Thiere herabsinken, und jedes Gebot der Sittlichkeit in sich verletzen. Denn sie zeigt ihm weder seinen hohem Beruf als Diener Gottes, noch weist sie ihm in hohem Vorbildern die Wege an, seiner würdig zu leben. Gleichwohl ist der Weltengeist, wie die Natur ihn nicht kennt und nicht verkündet, und nur das Judenthum ihn zeichnet und lehrt, der wahre Gott, zu dem der Mensch beten und sich erheben kann, und ist der Mensch als Diener Gottes allein der wahre, der seine Bestimmung erfüllt. ,,Das Innere gibt davon Kunde.“ Der Mensch nämlich, wenn er auch für sein körperliebes Antheil den Gesetzen der Natur unterliegt, und ihrer Gestaltung unbewusst anheimgegeben ist, weiss sich doch als ein geistiges Wesen; sein Selbstbewusstsein, das sich von allen bedingenden Ursachen unabhängig denkt, und eben deshalb sich selbst weiss, das nicht in andern Wesen oder in ihren Kräften gebunden und unbewusst fortvegetirt, sondern als eine bestimmte Persönlichkeit sich ihnen gegenüberstellt, zeichnet ihn als ein solches. In ihm fühlt sich der Mensch frei, und ist sich der Freiheit seines Willens in vielen Fällen bewusst; in ihm handelt er nach bestimmten selbstgewäblten Zwecken, und nicht nach drängenden und treibenden Ursachen; in ihm weiss er sich als eine Einheit, die nicht aus verschiedenen Theben bestellt, zu der nichts hinzugefügt, von der auch nichts weggenommen werden kann, die also auch nicht aufgelöst, und in verschiedene Elemente zerlegt werden kann; — als ein constantes persönliebes Sein, das jedes Aufhören seiner selbst ausschliesst, und sich die unbedingte Fortdauer als sich eigenthümlich, unveräusserlich und zugehörig vindicirt; — als ein bestimmtes unveränd erlich es Wesen, das sich nicht verändert, ohne zugleich ver-