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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1866-01-01 · Heft 3 · p. Seite 100

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
15 (1866)
Issue
Heft 3
Article
Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder
Date
1866-01-01
Page
Seite 100 (sequence 6)
Language
German
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100 Aphorismen Die Natur in ihren ewig schaffenden und wirkenden Kräften, in ihrer ununterbrochenen Gesetzmässigkeit belehrt uns darüber nicht, verkündet nicht solche Wahrheit von Gott, nicht solche Lehre vom Menschen, und es ist ein grosser Irrthum, wenn in allen Religionsbiichern gelehrt wird: Religion sei die Lehre von Gott und dem Menschen, die uns durch die Natur und Offenbarung vermittelt wird. Die Natur gibt uns keinerlei religiöse Belehrung; vermittelt uns nicht solche Begriffe, wie wir sie nach dem Judenthume gezeichnet haben. Sie ist constant in ihren Bestimmungen, und unveränderlich in ihren Gesetzen, schliesst also 60 ipso den freien Willen aus; sie schafft und vernichtet in demselben Momente, verändert die vorhandene Masse, bringt aber nichts Neues hervor, und leugnet also eine Schöpfung aus nichts; sie kennt nur Ursachen und keine Zwecke, bestreitet also die freie Intelligenz; Kräfte sind in ihr thätig, und wirken nach den getroffenen Einrichtungen und Bedingungen ununterbrochen fort; sie deuten allenfalls auf eine Urkraft zurück, verwerfen aber die freie Entsehliessung und freiwillige Leitung derselben; Alles ist in einer bestimmten Reihenfolge gegeben und vorher angeordnet, eine bestimmende Vorsehung aber nicht ersichtlich; Alles endlich in ihr ist nur Mittel für eine anderartige Gestaltung, die wieder Mittel wird für eine andere; sie weist die Geschöpfe auf einander an, und führt sie gegen einander in einen Vertilgungskampf, in dem jeder ganz egoistisch für seine Selbsterhaltung das Dasein der Andern ausbeutet und vernichtet, und opfert grausam und unbarmherzig die einen für die andern, und diese wieder für andere; sie deutet also durchaus nicht auf Liebe, Gnade und Gerechtigkeit hin. Eine moralische Weltordnung ist in ihr durchaus nicht zu erkennen, und Gott als freier Weltengeist offenbart sich in ihr in keiner Weise. Es waltet da nur eine unbewusste Nothwendigkeit, aber keine selbstbewusste Freiheit. Eben so wenig zeichnet sie uns das wahre Wesen des Mensehen und seine Bestimmung. Wie sich in ihr nur die Notli- Wendigkeit kund gibt, so wird auch die Freiheit im Menschen in Abrede gestellt. Dieser besitzt zwar höhere Fähigkeiten, die den Schein an sich tragen, als könne er Manches aus sich selbst schaffen, aber da sie ihn auf eine gleiche Stufe mit den andern Geschöpfen herabdrückt, und den Kreis seiner Thätigkeit be-

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