Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829332-2829336-2861920--09775-2861961- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
über die biblischen Offenbarungs-Wunder. 99 gerichtet und bestimmt hat, und mit Liebe und Gnade in Allem fort und fort wirkt. Gott ist ein vollkommen geistiges Wesen, das Gerechtigkeit übt und aufrecht erhält, das nicht in unbewusster Nothwendigkeit die Ordnung der Dinge aus sich entwickelt und sich gestalten lasst, sondern mit freiem Willen sie setzt und bewahrt, und das nicht aus inneren ewigen Ursachen, sondern nach den allerhöchsten Zwecken und dem allerweisesten Plane schafft und wirkt. Er ist ein heiliges Wesen, das liebend seine Geschöpfe bedenkt, sie bildet, erzieht und ihrer Lestimmung entgegen führt. Wenn auch die Gesetze der Natur nach den bestimmten Einrichtungen sich fort und fort bewähren und verwirklichen; der Geist, der sie gesetzt und erhält, ist ein freier, intelligenter, voraussehender und gnadenvoller, der in ihnen frei wirkt, nach Gerechtigkeit waltet, und nach seinem Willen Alles ordnet. Mit einem Worte, nach der Religion, ruht die Allweisheit nicht in der realisirten Materie, sondern in dem setzenden und realisirenden Geiste; sie ist nicht eine mit Nothwendigkeit sich verwirklichende unbewusste That, sondern eine mit!Freiheit schaffende selbstbewusste Thätigkeit. Der Mensch wiederum, im Ebenbilde Gottes geschaffen, ist im Judenthume nicht wie jedes andere Geschöpf, das den Be- Stimmungen der Natur folgen muss, und nur mit höheren Anlagen ausgestattet ist, sondern ein Wesen mit freiem Willen hegabt. Wenn er auch ein gleiches Loos des Entstehens, Vergehen8 und der sich entwickelnden Naturthätigkeit mit allen andern Geschöpfen theiit, so hat er doch in allen Fällen, die ihm zuin Bewusstsein kommen, die freie Wahl und Entschlies- >sung. Er handelt nicht nach bestimmten instinctiven Ursachen, sondern nach selbstgesetzten freiwilligen Endzwecken. Während daher durch ihren innern Trieb die andern Wesen den weisheitsvollen Plan der Schöpfung, den Willen Gottes unbewusst verwirklichen, kann der Mensch es nur durch die freie Befolgang der angeordneten Gebote. Diese müssen ihm eingegeben oder mitgetheilt werden, und er muss in freier Entschliessung nach ihnen leben und streben, soll er in Wahrheit den Willen Gottes ausführen helfen. Der Mensch wird also durch seinen freien Willen im Dienste Gottes thätig. Im Judenthume sind alle Geschöpfe .־Werkzeuge, Engel ia der Hand Gottes; der Mensch allein ist sein freier Diener. 8