Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 4)
- Language
- German
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v 98 Aphorismen tragen und befestigen also diese nicht, sondern werden gerade umgekehrt, durch sie erst geglaubt und von ihr getragen, und üben dann erst ihre Gewalt ans Die Wissenschaft bestreitet darum die objective Wahrheit der Wunder überhaupt, und betrachtet sie, insofern sie die Religion in das Gebiet ihrer Untersuchungen zieht, nur als Mythen, als den unmittelbaren Ausdruck der religiösen Anschauungen und UeberZeugungen, denen sie höchstens zur Charakterisirung der historischen Zustände und Ansichten der Zeit eine Redentung beilegt. Und die rationelle Theologie, die das Vernunftgemässe der Religion hervorkehrt, und die verschiedenen Religionen mit einander vergleicht, geht stillschweigend über den Wunderglauben hinweg, und betrachtet ihn nicht als einen integrirenden Bestandteil, derselben. Er war, so nimmt man an, nur für die Zeit der Kindheit zur Gewinnung der Gemüther notwendig, diente also nur als Mittel in der Hand der Vor- . sehung, um den Wahrheiten und Lehren der Religion Eingang und Vertrauen zu verschaffen; die Wunder selbst aber werden nur als Sinnestäuschungen, Geistesverirrungen oder erdichtete Sagen betrachtet; sie werden geglaubt, haben sich aber in Wahrheit, nie zugetragen. Wenn wir nun auch die Wahrheit dieser Ausführungen gegen die Wunder im Allgemeinen, als Zeichen \1n<i Beweise der Religionswahrheiten und Lehren, anerkennen müssen, und somit den Glauben daran als einen Irrthum bezeichnen, so erscheinen uns doch die biblischen Wunder in einem ganz anderen Lichte, so dass die objective und subjective Wahrheit derselben nicht nur nicht bestritten, sondern sogar als erwiesen angesehen werden muss. Es gilt hierbei nur das Wesen des Judenthums genau zu erfassen und seinen Inhalt zu bestimmen. Das Judenthum lehrt einen Gott als Weltenschöpfer und Weltenleiter, der die Kräfte der Natur gesetzt und mit ihnen waltet, und der, wie er den Thieren ihren bestimmten Tnstinct gegeben, den freien Mensehen ihre Pflichten als Anordnungen vorgezeichnet hat. — Gott ist eine heilige Allmacht, die aus freiem Willen das Weltall schuf und erhält, und es nur 80 lange in seiner Ordnung bestehen lässt, als es ihr gefällt; die aus reiner Intelligenz und mit vollkommener Ueberlegung Alles angeordnet■, ein-