Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die religiöse Duldung nach der europäischen Völkertafel
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 10)
- Language
- German
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50 ׳ Die religiöse Duldung 1׳ 868 waren die Güter, von denen sie zehrten und die ihnen Ersatz für so mannigfache Entbehrungen boten. Es ging ihnen der Einblick in die Welt, in das Gewoge des Lebens ab, aber sie hatten eine edle, Hochachtung gebietende Selbstverleugnung bewahrt, während bei ihren Gegnern jede Spur des selbstständigen Charakters vermisst wird 5 diese gaben vor, an der Idee zu halten, und gaben den Glauben auf 5 sie schrieben das Moralgesetz auf ihre Fahne, und ihr Leben zeigte sie als unfähige Träger derselben. Eine bessere Erkenntniss kehrte ein; man wendete sich von dem Fanatismus der Aufklärer ab, und gewöhnte sich nebeneinander zu gehen. Auch trug der Umstand, dass mehrere Rabbiner der Wissenschaft nicht fremd blieben und an den Tag legten, die Theologie scheue nicht die wissenschaftliche Forschung, zur Hebung des Glaubens und der Achtung vor ihren Vertretern bei. Die religiöse Duldung blieb in den meisten Gemeinden ungestört, und die nur in den seltensten Fällen her vor treten de Denun־ ciation des Glaubens zu reformatorischen Zwecken rief allgemeinen Unwillen hervor. , In welchem Stadium befindet sich die neueste Gegenwart? Es lodert in manchen Gemeinden Oesterreichs der Kampf der Parteien bis zur gegenseitigen Nichtduldüng auf; von einer Seite weist man jedes Wissenschaftliehe Streben zurück, von der andern Seite wird die Anhänglichkeit an das Bestehende mit Verachtung betrachtet. Doch gewährt es einige Beruhigung, dass die Verpönung der Wissenschaft von den eigentlich gelehrten Rabbinern nur selten getheilt wird, und viele der alten Schule angehörende Theologen sich vor der dringend gebotenen Verbindung des theologischen Studiums mit der Wissenschaft nicht verschlossen. — In Deutschland herrscht religiöse Duldung; dem tiefer Blickenden ist sie jedoch nicht die Frucht der Erkenutniss, dass neben der eigenen religiösen Ueberzeugung auch eine andere ihre Berechtigung hat, sondern sie geht aus Indifferentismus, aus Gleichgültigkeit gegen den Glauben hervor. Diese Duldung ist Erstarrung, religiöser Tod. Ein solcher Fortschritt ist der traurigste Rückschritt; Fanatismus verräth