Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die religiöse Duldung nach der europäischen Völkertafel
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 9)
- Language
- German
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49 v nach der europäischen Völkertafei. Peter Beer, der Religionslehr er an der jüdischen Hauptschule in Prag, gab folgendes Gutachten ab: ״Die Prüfungen aus dem Talmud werden die Dinge nicht bessern. Jeden Juden, der eine Speise geniesst, die nicht auf dem Küchenzettel der Rabbiner steht, erklären sie beim Leben für vogelfrei, und nach den! Tode verdammen sie ihn in die Hölle. Wer am Feiertage eine Zeile schreibt oder mit dem Stock ausgeht, wird den Meineidigen und Mördern gleichgestellt. Diese Rabbiner haben jüngst erklärt, man müsse die Fluchgebete beibehalten, und die Einführung deutscher Gebete belegten sie mit Bann und Fluch. Sie ersticken jeden Funken von Patriotismus, weil sie die Juden als Gefangene betrachten. So lange die Juden an den Vorschriften der Mythen und Legenden der Rabbiner festhalten, so lange nicht die Zusätze zu der reinen mosaischen Religion, welche für den Geist der gegenwärtigen Zeit und den Staatszweck nicht mehr passen, ausgeschieden werden, die bestehenden Rabbiner, welche blosse Ceremoniäre sind, mit ihren verderblichen Grundsätzen beseitigt, und statt ihrer gebildete Rabbiner und Volkslehrer angestellt werden - so lange ist kein Heil.“ a) Wir wenden uns mit tiefer Entrüstung von diesen Jämmerlichkeiten ab, und heben hervor, dass die von diesen Wichten und der Aufklärungssippe geschmähten Rabbiner von einem Bewusstsein getragen wurden, das ihnen Nichtbeachtung ihrer Gegner zur Pflicht machte. Man hatte an sie den Maassstab herschsüchtiger Hierareben gelegt, und das Judenthum kennt nicht Hierarchie und räumt nicht dem Rabbiner geistliche Gewalt ein. Man wollte in ihnen Männer erblicken, die die Sorge für die mit ihrem Amte verbundenen Pfründen zum Widerstände trieb, und diese Rabbiner hatten häufig mit den nöthigsten Lebensbedürfnissen zu kämpfen 5 die innigste Anhänglichkeit an den Glauben, die wärmste Hingebung an ihre Brüder, die Freude an dem Gesetzesstudium, die- 3) Wolf das. 8. 125.