Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die religiöse Duldung nach der europäischen Völkertafel
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 11)
- Language
- German
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nach der europäischen Völkertafel. 51?Leben, Indifferentismus Tod des religiösen Gefühls. Und welche Aussicht bietet die Zukunft dar, was bringt die aufwachsende Generation mit, welche Unterlage wird der Glaube in ihr finden, wie sich in ihr aufbauen, wie von ihr weiter getragen werden? — Doch es sollen diese traurigen Fragen uns nicht überwältigen die durch Jahrtausende bewährte Macht des Glaubens wird nicht an dem Indifferentismus scheitern; das menschliche Auge ist schwach, der Blick des Sterblichen begrenzt, wie will er sich erkühnen, die Pläne der Vorsehung zu erfassen, die Gestaltung der Zukunft vorauszusagen? — Aber wenn wir uns an der Hand des Gottvertrauens aufrichten, so wollen wir nicht vergessen, dass diesem Vertrauen ein thatkräftiges Wirken zur Beite gehen muss. Und so möge denn der folgende, an die Rabbiner ergehende Aufruf diese Rundschau beschliessen: ״Unsere Kinder besuchen von frühester Jugend an christliche Schulen, Gymnasien und sonstige Lehranstalten, und sind in der Regel vom Besuche der Schule an Sabbaten und jüdischen Feiertagen nicht dispensirt. Für das kindliche Gemtith zumeist sind die Ruhe- und Feiertage ein tief religiöses Moment, das sich ihm tief ein prägt und nie ganz aus seiner Erinnerung verwischt. Geht ihnen dieses Moment verloren, so fehlt ihnen bald jeder religiöse Halt, die Glaubensbande lösen sich zeitlich und sind für das spätere Leben ganz zerrissen. Uns droht gegenwartig die Gefahr, dass unsern Kindern der Sabbat ganz abhanden komme und an dessen Stelle der Sonntag, die an die jüdische Religionsgeschichte anknüpfenden Feiertage verloren gehen und an deren Stelle ihnen clie Christliehen Feiertage treten. Es ist daher heilige Pflicht der Rabbiner, für die die christliche Schule besuchende Jugend einen Gottesdienst an Sabbaten und Feiertagen in ein er spätem Vormittags• stunde einzu richten. Es wird wohl kein Director oder sonstiger Vorsteher einer Anstalt sich weigern, die israelitischen Schüler diesen Gottesdienst besuchen zu lassen, und wird ihnen gern Dispens von dem etwa in diese Stunde fallenden Unterricht ertheilen. Rettet, ehe Alles