Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die religiöse Duldung nach der europäischen Völkertafel
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 8)
- Language
- German
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48 Die religiöse Duldung koinmene unduldsamen Fanatismus. Ihr Ingrimm richtete sich in erster Linie gegen die Rabbiner; auf die Schriften des seichten David Friedländer baute sich das dem Preussischen Ministerium übergebene Gutachten Gumpertz’ auf, der Rabbiner sei ausschliesslich zur Aufsicht über die Schächter nöthig, in jeder sonstigen Hinsicht überflüssig; ein Gutachten, das noch in die Gegenwart seine Schatten hineinwirft. ״Auch der Atheismus hat seinen Fanatismus," so sprach Mendelssohn in einer zur Duldsamkeit auffordernden Schrift; vielleicht in trübem Vorgefühle, dass die seinen Namen zum Aushängeschild ihrer ״aufklärenden" Bestrebungen tragenden Männer einen Fanatismus manifestiren werden, wie ihn selbst die finstersten Zeiten nicht kannten. Man erschrickt vor den denunciatorischen Schriften dieser Männer. Die durch neuere Publicationen aus Staatsarchiven an den Tag gebrachten, an die Behörden gerichteten Eingaben dieser im Namen der Wissenschaft und des Fortschritts auftretenden Aufklärer bringen Verleumdüngen der eigenen Glaubensgenossen, die von der überaus böswilligen Gehässigkeit dieses unheiligen Fanatismus zeigen. Im Anfänge dieses Jahrhunderts wurden in Oesterreich Gutachten über Bildungsanstalten für Rabbiner ein gefordert. Herz Homberg, ein Lieblingsschüler Mendelssohn’s, sprach sich in folgender Weise aus: ״Diejetzigen Rabbiner wissen blos, wie man das Osterbrot backen, wie hoch die Lauberhütte sein solle u. 8. w״ beim Gottesdienste sehen sie nicht auf Ruhe. An Buss-, Sabbat- und Festtagen fordern sie Gott auf, das Blut seiner Diener zu rächen, eben so im täglichen Gebete Alenu."2) 2) G. Wolf, Stadien zur Jubelfeier der Wiener Universität im J. 1865, S. 126. Man muss erstaunen über das ungemeine Wohlwollen, das sich in den Briefen Mendelssohn’s an Herz Homberg für denselben ausspricht, und es erfüllt zugleich mit Bedauern, dass er einem 801׳ chen Manne, dessen wie bekannt anrüchigen Charakter er bei nur einiger Mensch enkenntniss hätte herausfüll len können, die Erziehung seiner Kinder an vertraute.