Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die religiöse Duldung nach der europäischen Völkertafel
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
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47 nach der europäischen Völkertafel. bemerkbar, aber der Besseren und Denkenden hatte sich 3ine edlere Gesinnung bemächtigt, die sich in weiteren Kreisen verbreitend zur Erkenntniss des an dem Juden begangenen Unrechts führte. Man hörte auf, in dem Juden einen Paria zu erblicken und sah ein, dass er der Bildung fähig sei. Nicht wenig hatte auch Mendelssohn zu diesem Umschwünge beigetragen. Er trat zwar nicht unmittelbar für die Rechte seiner Glaubensgenossen in die Schranken, seine Schriften gehören mit geringen Ausnahmen der abstracten Wissenschaft an, aber gerade in dieser Objectivitat leistete er seinen Brüdern den wichtigsten Dienst. Deutschland nahm seine Werke, die, wenn sie den Juden gegolten hätten, ungelesen zur Seite gelegt worden wären, in die Hand; sein Phädon rief allgemeines Entzücken hervor, man erkundigte sich nach dem bewunderten Autor und vernahm mit Ueberraschung, es sei ein Jude. Ein Jude, fähig in solcher die Gemüther erhebenden und beschwichtigenden, ein Jude, fähig in solcher eleganten, den schneidendsten Gegensatz zu dem unbeholfenen Stil der Zeitgenossen bildenden Sprache zu sprechen I Der Mann, auf den die deutsche Nation stolz war, gehörte dem Stamme an, dem man jede höhere Befähigung abgesproeben! — Und wie nach aussen wirkte Mendelssohn anregend und für Wissenschaft begeisternd nach innen. Es sammelte sich um ihn ein Kreis der fähigsten Köpfe, die die Bildung unter ihren Brüdern zu verbreiten und den Geist der Abgeschlossenheit zu bannen, sich zur Aufgabe setzten. Aber es ging ihnen die Tiefe des Lehrers ab. Dieser war an den Brüsten einer Philosophie grossgezogen worden, die sich zwar allmälig überlebte, aber ihn zum Forschen und Denken angeregt hatte; jene hatten den oberflächliehen versnichtigen den Geist ihrer Zeit eingesogen, der Führer in ihren Aufklärungsversuchen war die moderne, von dem westlichen Nachbar herübergekommene Frivolität. So erwachte nun im Innern ein Kampf, und gerade die Aufklärungsmänner kannten am wenigsten religiöse Duldung; sie griffen mit den tiefverwundenden ^Waffen des Spottes das Bestehende und dessen Vertreter Han und hegten in ihrer Weise einen gegen das Ueber-