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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1866-01-01 · Heft 2 · p. Seite 46

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
15 (1866)
Issue
Heft 2
Article
Die religiöse Duldung nach der europäischen Völkertafel
Date
1866-01-01
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
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46 Die religiöse Duldung etwa Eintrag timende Beschäftigung wurde mit miss trauisehem Auge angesehen. Und als solche galt das wissenschaftliche Studium. Hatte man doch von der an' dem Seite Sorge dafür getragen, dass die Wissenschaft beim Jaden ganz erlösche; die Unduldsamkeit der Zeii schloss ihn von dem Besuche jeder öffentlichen Anstal! aus.• ln dem nun so beengten Kreise der Anschauungen musste allmälig die Freiheit der Meinungsäusserung eine! stets mehr beengende Schranke finden. Der Glaube allein war das Schild; er allein hielt aufrecht und in ihm ging jede geistige Thätigkeit auf: ihn nur von Ferne durch irgend welche abweichende Meinung oder ein der Wissenschaft entlehntes Argument antasten, beschwor nach derf herrschenden Ansicht eine das Allgemeine bedrohende^ Beeinträchtigung herauf. Das Urtheil, ob in dieser Unduldsamkeit Fanatismus oder eine nothgedrungene Ab , wehr wahrzunehmen sei, ob das den Fanatismus charakterisirende Merkmal, eine andere Meinung nicht neben sich zu dulden, oder ein, gleichsam im Triebe der allein durch den Glauben gewährleisteten Selbsterhaltung wurzelndes Gefühl, jede Antastung und mit ihr die Freiheit der Meinung fern halten wollte, vermag die den Drangsalen jener Zeit fernstehende Gegenwart nicht abzugeben. Nur dieses möge noch angeführt werden, das Judenthum kannte auch in jenen trüben Tagen nicht geistliche Inqui• sition; es wurde nicht über die Gewissen geforscht, man! setzte nicht Ketzergerichte ein, man zog nicht auf einen Verdacht hin zu Gericht; die Verfolgung, die die Meinungsäusserung traf, war in der Regel provocirt; die Aeusse׳ rung trat häufig, wie es bei Spinoza u. A. zu ersehen, im Gewände des Spottes und des Hohnes hervor, und war selbst ein zur Abwehr auffordernder Angriff. Wir gehen an der Hand dieser historischen Skizze zu der neueren und neuesten Zeit über. Mildere von jenseits des Rheins herüberwehende Winde begannen zu Ende des vorigen Jahrhunderts die durch viele Menschenalteri | sich angesetzte Eiskruste der Intoleranz und der gefühl-1 losen Ausstossung zu schmelzen. Zwar machte sich) von Seite der Gesetzgebung die mildere Temperatur kaum

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