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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1866-01-01 · Heft 2 · p. Seite 45

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
15 (1866)
Issue
Heft 2
Article
Die religiöse Duldung nach der europäischen Völkertafel
Date
1866-01-01
Page
Seite 45 (sequence 5)
Language
German
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nach der europäischen Völkertafel. 45 Weise, wie das Judenthum den Beruf zum Religionsvertrete!* auffassfc. Es kennt nicht Weihe und Ordination, trägt nicht in sich den Dualismus von Geistlichen und Laien, sondern erblickt ausschliesslich im Wissen die Befähigung zum Lehren, und hierin liegt ihm der Beruf des Religionsvertreters, zu dem sich Jeder, der Wissen erworden, qualificirt. Die Volkslehrer bilden also hier nicht ,einen besondern Stand und Kaste, daher auch nicht der gewöhnlich durch den geistlichen Standesgeist wacbgerufene und geforderte Zelotismus. Selbst wo dem Glauben durch Verbreitung falscher Ansichten wirkliche Gefahr zu drohen schien, wurde mit grosser Vorsicht und unter umsichtiger Restric-tion verfahren. In manchen nordspanischen und südfranzösischen Gemeinden Hessen sich es Männer angelegen sein, die Schrift nach manchen zeitläufigen philosophischen Anschauungen aufzufassen, das in ihr Erzählte und selbst die Gebote zu symbolisiren; dem Judenthum drohte also die Gefahr, seinen Boden zu verlieren. Nur nach jahrelangem Abwägen, und auch dann nur mit sichtbarem Widerwillen, ging der an der Spitze der damaligen (14. Jahrli.) jüdischen Gelehrtenwelt stehende R. Salomon ben Aderet darauf ein, das Studium der Philosophie vor zurückgelegtem fünfundzwanzigsten Lebensjahre unter Androhung des Bannes zu verbieten. Also auch bei der nicht ohne Grund gefürchteten Gefährdüng des Glaubens nicht über die philosophischen Studien überhaupt, sondern über die Beschäftigung mit ihnen vor erlangter genügender Reife. Aber finstere Tage brachen ein. Die Juden mussten Spaniens Boden verlassen, und in Deutschland waren sie schon lange die Geächteten, aus Stadt und Land Vertrieheuen, und wo man ihnen eine Ansässigmachung gestattete, wurden sie auf enge dunkle Gassen beschränkt, an deren Grenzen sie dem Spotte und Hohn des vornehmen und niedern Pöbels preisgegeben waren. In düsterer Abgeschlossenheit verdüsterte sich auch der Geist, und nur das an Frische reiche und zum Denken auffordernde talinudische Studium rettete ihn vor Verdumpfung. Darum wurde dieses Studium vor Allem hochgehalten; jede ihm

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