Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die religiöse Duldung nach der europäischen Völkertafel
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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nach der europäischen Völkertafel. 43 schers Preussens; wenn endlich im vorigen Jahre ein preussischer Hospitalgeistlicher an einem kranken, der Anstalt von seinen Eltern anvertrauten israelitischen Kinde eine Taufe, ־unter dem frömmelnden Vorwände, es sei über das Kind der Geist der Erleuchtung gekommen, vorzunehmen sich veranlasst sah, so liegt hierin nicht weniger als in dem bekannten Mortarafall der Beweis, dass noch in unsern Tagen das Christenthum vom Judenthume, welches keine Bekehrung durch Gewalt oder Ueberredung kennt, religiöse Duldung lernen könnte. — Fügen wir noch an, dass selbst in dem vielgepeinigten Juden des Mittelalters sich, wie geschichtlich docuinentirt ist, gar mancher Zug menschenfreundlichen Mitgefühls bei den Leiden seines christlichen Nachbars kundgab, und maneher Lehrer zur Rechtlichkeit und aufrichtigem Verfahren dem Christen gegenüber ermahnte, und es wird auch hieraus der Rückschluss, das Judenthum kenne Duldsamkeit, unabweisbar. Einer genaueren Würdigung bedarf die Frage, wie Duldung nach innen geübt wurde? Es timt sich häufig im Schosse der eigenen Confession Meinungsverschiedenheit kund, die, weil man in ihr den Glauben bedroht sieht, nicht selten noch härter als der auf andern Principien beruhende, dieses Bekenntniss völlig negirende Glauben verfolgt wird. Heben wir vor Allem hervor: das Judenthum erkennt Denkfreiheit an, es beansprucht nicht Gewalt über die Gewissen, will nicht die Meinung sich unterthänig machen. Man erstaunt über die Kühnheit [mancher innerhalb des Judenthums auftauchenden Ansichten, und sie zogen dennoch ihren Autoren nicht Aus י stossung und Kirchenbann zu. Die Worte eines Lehrers wurden aufgefasst als besagten sie, Israel habe keinen Messias zu erwarten; und man fluchte dennoch nicht sei-;11 em Andenken, sondern man hatte nur für ihn die mitleidsvollen "Worte: ״Möge es ihm der Herr verzeihen.“1) ') Die Stelle Synliedrin 99 ist bekannt und vielfach besprochen. Bei näherem Eingehen dürfte jedoch der dort■ genannnte R. Hillel ״4