Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 458 (sequence 18)
- Language
- German
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״ . r . ■v ״v, >- r v י >, tV^^V?J^jt* . 458 י Rückblicke auf Zustände und Ereignisse der Juden gäbe hat, ,,die Vorschriften der Liebe und Brüderlichkeit auf Erden zu verbreiten, und dem Menschen seinen Ur- Sprung und seine hohe Bestimmung zurückzurufen." Ironie der Geschichte! — Dem Christen ist verboten, dem Juden den mindesten Dienst zu leisten, und noch weniger als Diener oder Aufwärter in einem jüdischen Hause zu sein. Diese Vorschrift ist mit solcher Strenge unter dem Bontificat Leo’s XII. aufrecht erhalten worden, dass in dem strengen Winter des Jahres 1827 Greise und kleine Einder, die die Kälte nicht ertragen konnten, am Sabbat den ganzen Tag im Bette zubringen mussten, und die jüdische Bevölkerung, die die Sabbatgesetze nicht entweihen wollte, den ganzen Tag vor Kälte zitterte. Es war während des Sabbats ein militärisches Piket im Ghetto ausgestellt, welches zu mehrerenmalen die Häuser besuchen musste, um Christen zu entdecken, welche vielleicht diesen Dienst einem armen Juden erwiesen haben; ein solcher wäre mit einer grossen Geld- und willkürlichen Gefängnisssträfe bestraft worden. So erhebt man Scheidewand über Scheidewand um Menschen von Menschen, ja selbst die Glieder einer Familie von einander zu trennen. Denn wenn ein Glied einer jüdischen Familie seinen Glauben verlässt (und trotz der Verlockungen der herrschenden Religion und der Demüthigungen, mit denen man die Seele des Juden kränkt, fallen doch nur wenige römische Juden ab), zwingt das heilige Officium den unglücklichen Vater, sein Vermögen zu liquidiren, um dem entarteten Sohne das Erbtheil zu geben, welches auf ihn kommen würde, wenn der Vater unmittelbar stärbe. Man begnügt sich nicht mit dem Schmerze, den der Unglückliehe Vater fühlt, wenn er das Kind seiner Eingeweide in das Lager der Unterdrücker übergehen sieht; mit diesem Schmerze soll sich auch die Schmach verbinden, sich .wie einen Uebelthäter behandelt zu sehen. —Wenn, niedergedrückt von den auf ihr haftenden Lasten, diese arme Gemeinde, die fast keine reiche Familie hat, einen Th eil von dem allgemeinen Budget der öffentlichen Wohlthätigkeit reclamirt, so erhält sie, obschon die mit Steuern belasteten Juden reichlich zu diesem Budget beitragen, nur