Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 456 (sequence 16)
- Language
- German
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r ***?■'' >*>* ־ <״ Vsj* J , -״.r w . ז . 456 Rückblicke auf Zustande und Ereignisse der Juden Schmutz zusammenschrumpfen, um, ein Gegenstand der Verachtung für Jedermann zu sein, und soll glauben, er sei zu einem solchen Schicksal bestimmt. Doch ist, Dank der Vorsehung, trotz des päpstlichen Segens urbi et orbi, Rom nicht mehr die Welt, und die neueren Völker, gerecht und menschlich zugleich, copiren nicht mehr ihre Gesetze nach dem in der Hauptstadt der katholischen Welt geltenden Systeme. Die Juden sind in Rom stets nur auf ein Jahr geduldet. Sie mussten bis auf die neueste Zeit den Fastsonntag in der Wohnung des Senators auf dem Kapitol ihre Aufwartung machen, um in unterthänigsteil und demüthigendsten Ausdrücken die Erlauhniss nachzusuchen, ein weiteres Jahr in dem Ghetto eingeschlossen zu bleiben. Dieses wurde ihnen auf eine wenig graciöse Weise mit einer Geste bewilligt, die sie in ihren eigenen Augen verächtlich machen musste. Der Papst Paul III., geheiligten Andenkens, hatte sogar die Güte, einige Juden mästen zu lassen, die, wie später die Pferde Barberini, zum Ergötzen des Volkes und des päpstlichen Hofes den Corso entlang laufen mussten. Um die Erlaubniss zum Aufenthalt zu erhalten, mussten die Juden für die Erhaltung des Hauses der Neophiten (Casa dei Catecliumeni) 1400 Piaster zahlen. Der Ursprung dieser Steuer ist bemerkenswert!}. Der Papst Urban wollte einen getauften Juden, Nassarena aus Mantua, für ein Buch, das er gegen seine früheren Glaubensgenossen geschrieben, belohnen, und hatte den geistreichen Gedanken, den Juden Roms anzubefehlen, diesem würdigen Manne 600 Piaster zu zahlen, zu denen nach dessen Tode noch 800 Piaster hinzukamen, die der Papst Clemens VIII. den Erziehungshäusern für getaufte Juden überwies. Die Direction dieser Anstalten hat sogar die Güte, von der so reichen (bei einer Bevölkerung von 4000 Juden sind mehr als 200 auf der Armenliste eingeschrieben) und so wenig mit Abgaben belasteten jüdischen Gemeinde die Kosten für Nahrung und Unterhaltung der römischen und fremden Juden zu verlangen, die nach einer Probe von vierzig Tagen — dieser müssen sie sich unterwerfen, so unglücklicherweise ihrem Munde das unbedachtsame