Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 455 (sequence 15)
- Language
- German
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in Frankreich, Italien, dem Orient u. d. Nordküste Africa’s. 455 gebungen wieclergegeben, seine jüdischen Mitbürger in der vollständigsten Weise emancipirt, ihnen die ehrenvollsten Stellen an vertraut und zu den wichtigsten Aemtern berufen hat. Und es bedurfte keines Ueberganges, wie in andern Ländern: die reiche italienische Natur hat mit einem Schritte das Niveau der Gleichheit erreicht, und hat über diesen wie über viele andere Punkte die schlimmen Vorahnungen ihrer Verleumder zu Schanden gemacht. Die Antipathie der Bevölkerung gegen die Juden ist, wie folgender Fall zeigt, eine Unwahrheit. In der Revolution des Jahres 1831 brach die christliche Bevölkerung zu Ferrara die Thore des Ghetto ab und trug sie nach dem jüdischen Friedhof. Doch der Erzbischof Vilonardi kehrte im Mai 1833 zurück, und er hatte nichts Eiligeres zu thun, als den Befehl zu erlassen, man solle dieses lächerliche Zeichen der Absonderung der Israeliten wieder hersteilen. Diese schickten einen Deputirten an Gregor XVI., der ihnen gewöhnlich sehr wohlwollend war, und er 11688 durch den Staatssecretär, Cardinal Spinola, einen Befehl ergehen, dass man die Herstellung der Thore aufschiebe. Allein der Erzbischof Vilonardi kümmerte sich wenig um den Befehl, er erwiderte ganz einfach, dass er nur das heilige Officium der heiligen Consulta und die von da ausgehenden Befehle anerkenne. Und er liess sogleich die Thore von dem jüdischen Fried* hof herbeiholen und sie in ihrem, alten Glanze her stellen, und beauftragte die Juden, auf ihre Kosten den Thor- Wächter zu unterhalten. Dieses willkürliche Verfahren allein ist schon ein klarer Beweis, welche Quälereien die* 868 unglückliche Volk in den päpstlichen Staaten zu erdulden hatte, und welchen es noch heute in Rom ausgesetzt ist. In den letzten Zeiten hat man die Eröffnung einer kleinen Anzahl von Magazinen ausserhalb des Ghetto in den an dieses Viertel angrenzenden Strassen gestattet, aber Niemand darf ausser dem Ghetto wohnen, welches auf einem sehr engen Raum 4000 Seelen einschiiesst, während die Stadt Rom so gross ist und viele leere und unbewohnte Plätze hat. Aber der Jude soll in Elend und