Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 454 (sequence 14)
- Language
- German
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454 Rückblicke auf Zustände ־and Ereignisse der Juden vielem Elend und Leiden, and dessen Andenken zum Segen verblieb bei den Bewohnern des Ghetto; allein die Vorhaben dieser Päpste scheiterten an den höheren Nassregeln der Macht, und wenn man den Zeitraum von 1809 bis 1814 ausnimmt, in welchem die Juden unter der französischen Herrschaft wie die andern Bürger behandelt wurden, so begegnet man nur Unterdrückung und Qnälereien. — Den vorher gedachten zwei Päpsten muss man wohl den gegenwärtigen Papst, betrachtet man den An־ fang seiner Regierung, an die Seite stellen. Pius IX. führte in den ersten Monaten nach seinem Antritte wohlwollendere Gesetze ein, aber sie theilten nach seiner Rückkehr von Gaeta das Schicksal aller liberalen Maasegeln; und doch konnte man der jüdischen Bevölkerung auch nicht den leisesten Vorwurf machen, dass sie von dieser Güte oder vielmehr dem Gerechtigkeitsgefühl, welches den Papst veranlasste, sie als Menschen zu behandeln, einen Missbrauch gemacht. Ueberblickt man die leitenden Gedanken der väterlichen Regierung Roms hin sichtlieh unserer Brüder, so zeigt sich als allgemeiner Grundsatz, die Juden in ihren eigenen Augen zu demüthigen, indem man sie ausschliesst von allen Wegen, die sie eines Tages zur individuellen Würde führen könnten,und sie jedes Ehrgefühls zu entwöhnen. Man hat sie, um sie von der Berührung mit ihren Mitbürgern fern zu halten, in einem engen, mit Thoren und Riegeln — die erst seit einigen Jahren weggenommen wurden — umgebenen Orte wie wilde Thiere eingeschlossen. Man gab zwar vor, dass diese Massregel in der guten Absicht getroffen wurde, sie vor der Böswilligkeit und der üblen Behandlung der Christliehen Bevölkerung zu schützen, aber diese Behauptung schliesst in sich einen Tadel für die päpstliche Regierung, die dem seit so vielen Jahrhunderten ihrer Sorgfalt anvertrauten Volke eine solche Erziehung gab, und sie ist zugleich eine Verleumdung, da das Volk im Allgemeinen nirgends wohlwollender und duldsamer als in Italien ist. Der Volksgeist ist trotz der schlechten Regierungen, die seit Jahrhunderten auf diesem prächtigen Lande lasteten, so ־wenig verderbt, dass er, kaum seinen natürlichen Ein-