Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 453 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829318-2829331-2861772--09592-2861806- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
in Frankreich, Italien, dem Orient u; d. Nordktiste Africa’s. 453 Höfen von Wien und London. In Consfcantinopel ergreift man Massregeln, um das religiöse Gefühl der Katholiken wie der Griechen, der Juden wie der Armenier zu schonen. Die Prozessionen ziehen frei durch die Strassen der Stadt und begegnen von Seiten des türkischen Militärs einer achtungsvollen Haltung! Mari muss vor Allein gegen seine Feinde gerecht sein, und so sei es denn von vornherein anerkannt, dass unsere Brüder nie aus Rom, wie dies in andern christlichen Reichen der Fall war, ausgejagt worden sind. Aber Der die Tiara trägt und, wie man es gern sagt, das geistliche Oberhaupt von hundert Millionen Katholiken ist, hat den Königen von Spanien so wie dem von Neapel nicht untersagt, die Juden den Märtyrerfcod erleiden zu lassen; auch sind die Torquemada und Genossen nie durch einen Tadel belästigt worden von dem, der die Schlüssel hat, um das Reich des Himmels zu öffnen und zu schliessen!. — Doch die Juden wohnen seit langer Zeit dort, und dies erklärt die unbegreifliche Anhänglichkeit dieser Be״ völkerung von 4000 Seelen an diese Stadt; sie schliesst seit mehr als zwanzig Jahrhunderten die Gräber ihrer Väter ein. Es lebt im menschlichen Herzen ein Geheimnissvolles, das ihn an dem Orte zurückhält, der seine Geburt sah und wie er heran wuchs; ohne diese unerklärliche Seite der menschlichen Natur würde man nicht begreifen können, wie Menschen, die so organisirt sind wie wir, die mitunter sogar lächerlichen Erniedrigungen ertragen, welche die aberwitzige Einbildungskraft der Herren Roms erfand. Es gab zwar Augenblicke, wo Päpste menschlicher als die Prineipien, die sie zur Geltung brachten, zur Hebung der jüdischen Literatur beitrugen. Der berühmte Abraham Ibn Esra brachte einen Theil seines Lebens in Rom zu; R. Nathan (ben Jechiel) schrieb daselbst sein talmudisches Lexicon, den Aruch, auch veröffentlichte im Anfänge des 16. Jahrhunderts eine römische jüdische Buchdruckerei die vorzüglichsten Werke. Man begegnet auch in der Reihe der römischen Päpste den wohlwollenden Namen eines Martin V. (1429) und eines Pius IV. (1562), dessen Herz gerührt war von so