Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 446 (sequence 6)
- Language
- German
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446 Rückblicke auf Zustande und Ereignisse der Juden trat. Die Menschen waren gut, sogar vortrefflich; die Einrichtungen taugten nichts: es fanden sich viele zündbare Stoffe, aber der heilige Funke, welcher zündet, fehlte ganz und gar. Solchen Zustand fand Herr 0. bei seiner Ankunft in* Paris im Jahre 1836 vor. Er bot seine Dienste an; sie konnten aber, da er des Französischen noch nicht ganz mächtig war, nicht angenommen werden. Er wendete sich daher wieder ganz seinen Studien zu, hörte bei Sil׳־ vestre de Sacy und bei E11g6ne Bournouf. Silvestre de Sacy, dessen alleiniger Schüler im Persischen er durch fast ein Jahr war, trug nicht nur zur Vergrößerung seines Wissens in den. orientalischen Sprachen bei, sondern führte ihn auch allmälig in die Feinheiten der französischeu Sprache ein; er, der weise Lehrer, der in seiner allgemeinen Grammatik ihre Tiefe erforscht hatte. — Die andern verwendbaren Stunden wurden auf der königlichen (jetzt kaiserlichen) Bibliothek zugebracht: die Früchte die- 8er Mussestunden sind die einige Jahre später erschienene Ausgabe des bis dahin noch nicht edirten Commentars Kimchi’s zur Genesis, ferner der arabische Text des Werkes Chobafc halebabot des Bechai. In dieser Zeit erging von der Familie von Rothschild an Herrn 0. eine Einladung, sie nach Italien zu begleiten. Er nahm diese Einladung mit Freuden an, und wir begleiten ihn nach Italien, um aus seinem Munde interessante Berichte über die Lage der Juden in Italien zu jener Zeit zu vernehmen. Herr C. trat die Reise mit der ausgezeichneten Familie Sinigaglia aus Turin an, die ihn während einiger Tage, die er zu Turin zubraclrte, mit der traurigen Lage der israelitischen Glaubensgenossen in Piemont bekannt machte. Piemont war damals das Land, in welchem neben dem Herzogtbum Modena die Juden sich am unglücklichsten befanden. Eingesperrt in einem, l’Isola (die Insel) genannten Ghetto, waren sie von allen Aernten! und Würden ausgeschlossen, konnten ausser ihrem Viertel kein Eigenthum irgend einer Art erlangen, und es war hnen sogar der Zutritt zu den öffentlichen Unterrichts-