Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africas's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 408 (sequence 8)
- Language
- German
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468 Rückblicke auf Zustände ünd^Ereignisse,der Juden die Inschrift hat: יוסף! בן אליקום ה׳ געטשליג חק״מב, und das letzte: מור׳ ישי דוב בן משה חיים מק״ק מיץ תקע״ב . Unter den andern Namen liest man: Mutzig, Berlin, Cohn, Seligmann n. A. Diese Gemeinde führt ihren Ursprung auf 1770 zurück. Zwischen 1770 und 1780 Hessen sich in Paris allmälig mehrere Familien aus dem Eisass, Lothringen, Holland, Deutschland und Polen nieder; doch war die Anzahl sehr beschränkt und belief sich kaum auf vierzig Familien. Sie hatten zum Syndicus einen Jacob Hollander und standen bis 1789 unter dem Polizeilientenant. Kein Jude durfte sich in Paris ohne Erlaubniss des Syndicus aufhalten, und dieser war verantwortlich für die Aufführung der zu Paris wohnenden Juden. Wahrscheinlieh um 1778 wurde rue Biremiche ein Betzimmer für die kleine Anzahl deutscher Juden eröffnet, im Jahre 1780 kam ein anderes, rue du Renard-Saint-Marry, hinzu; einige Jahre hierauf eröffnete man ein Betzimmer in einem alten Karmeliterkloster (rue Montmorency), welches die Benen־ nung ״Karmeliterschul“ erhielt, und fast zur selben Zeit noch eines rue des Petits-Champs-Saint-Martin, welches, da sich in demselben Hause eine Hutfabrik befand, die ״Hutmacherschul“ genannt wurde. Dieses letzte Betzimmer konnte schon ungefähr 170 Personen, Männer und Frauen, fassen. Die Gemeinde hatte keinen Rabbiner; ein sehr geachteter und gelehrter Kaufmann, M. Nathan Polak, versah unentgeltlich das Amt des Rabbiner^, sowohl bei den wenigen damals vorkommenden Trauungen, als bei den rituellen Fragen. R. Seligmann Michel war der erste im Jahre 1794 angestellte Rabbiner der Gemeinde, und als im Jahre 1808—1809 die Consistorien eingesetzt wurden, wurde er zum Oberrabbiner des Consistoriums von Paris ernannt. So liess sich zu Paris eine gewisse Anzahl israelitischer Familien vom deutschen und portugiesischen Ritus unter dem Directorium und dem Consulat nieder. Doch bestand keine Berührung zwischen diesen Regierungsformen und dem Cultus unserer Väter. Die constituirende Ver- Sammlung hatte jedoch in ihrer merkwürdigen Sitzung vom 28. September 1791, trotz der Opposition der eisäs-