Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africas's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 406 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829318-2829330-2861690--09519-2861725- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ZW 406:׳ י * *י י- " ג ■י’ \ y-X^o, י'י*‘.-'" V: Rückblicke auf Zustande und Ereignisse der Juden denken des the-uern Lehrers und Freundes werde ihnen unvergesslich bleiben. Den 1. Juli kam Herr C., beseelt von dem heissen Wunsche, seine Studien zu vollenden und seinen dortigen Glaubensgenossen nützlich sein zu können, in Paris an. Und in welchem Zustande befanden sich hier Cultus- und Unterrichts-Angelegenheiten! In der Synagoge weder Ordnung noch regelmässiger Gesang noch Predigt, und die Schulen — es existirte eine Knaben- und eine Mädchenschule — liessen gar Vieles zu wünschen übrig. Die Gemeinde befand sich aber auch noch in der Periode der Entwickelung und gelangte erst von da ab zum Bewusstsein ihrer politischen, socialen und religiösen Stellung. Die israelitische Gemeinde zu Paris zählt kaum ein Jahrhundert; ihre Organisation datirt von der letzten Hälfte des 18. Jahrh. unter der Regierung Ludwig’s XVI. Nur wenige, mehr oder minder reiche Juden erhielten seit der Austreibung der Juden unter Philipp dem Schönen die Erlaubniss, sich einige Zeit in Paris aufzuhalten; sie durften jedoch keine Gemeinde bilden, noch war ihnen gestattet, sich an einem besonderen Orte zum Gebete zu versammeln. Man erzählt als bemerkenswert!!, dass unter Ludwig XIV. ein reicher jüdischer Banquier, Samuel Bernard, zu Paris gewohnt und dort einen Palast auf dem Place de la Victoire besessen habe; er hatte eine Tochter, die er taufen liess, um sie an den Kanzler Matthieu Mold zu verheirathen. Graf Mold, Justiz minister unter dem ersten Kaiserreich und Ministerpräsident unter dem Julireich, stammt durch seine Urgrossmutter von einer jiidisehen Familie ab. Es haben sieb über den früheren Aufenthalt unserer Glaubensgenossen, der sich vielleicht bis zu der Eroberung durch die Römer hinauferstreckt, da die römischen Legionen theils wegen des Handels, theils wegen der Verpflegung der Armee Juden mit sich zu führen pflegten, manche Ueberlieferungen erhalten, theils durch Benennung von Strassen, theils durch Volkserinnerungen, die manche kleine Kirchen und Kapellen auf jüdischen Ursprung zurückführen; für jetzt beschränken