Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1865-01-01 · Heft 9 · p. Seite 355

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
14 (1865)
Issue
Heft 9
Article
[Rezension]
Date
1865-01-01
Page
Seite 355 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829318-2829328-2861532--09427-2861592
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

;,V״ j.יiP^ו■י■! Recensionen und Anzeigen. 355 Michael Beer. Das Gedicht schildert einen greisen Rabbi, der in seinem Einsiedlerleben nicht dazu kommen kann, die Pflichten der Gastfreundschaft, der Krankenpflege und der Todtenbestattung zu üben. Endlich, nach langem Harren, zieht vor der einsamen Hütte des Rabbi ein Wanderer vorbei. Der Rabbi ladet den Wanderer in seine Hütte, labt ihn mit Speise und Trank und räumt ihm zum Nachtlager sein eigenes Bett als Ruhestätte ein. Aber, o Schrecken! Des Nachts erhebt sich der Rabbi von seinem Lager, schlägt und verwundet den Wanderer, dass das Blut in Strömen fliesst. Nach geschehener That fleht der Greis den Wundgeschlagenen um Gnade an und pflegt ihn bis zur Genesung mit aufopfernder Hingebung. Der Wanderer will nun seines Weges ziehen, der Rabbi hält ihn jedoch noch eine Nacht in seiner Hütte zurück; kaum aber hat sich der Wanderer auf sein Lager begeben, als der Rabbi mit einem Beile gegen ihn losschlägt, um ihn zu tödten. Der Wanderer entreisst dem Rabbi das Beil und der Rabbi, um den Grund seines wahnsinnigen Vorhabens befragt, spricht: Was ich that — ich that's zu handeln Nach den Wortes des Gesetzes, Das da sagt im heil’gen Buche, Drei Gebote sind die höchsten: Gastrecht üben, Kranke pflegen, Und zum Grab hin Deine Todten Mit Gebeten zu begleiten. Und Du kamst — ich übte Gastrecht, Und ich hatte keinen Kranken, Und ich schlug Dich, dass Du krank wardst, u. s. w. Es ist unbegreiflich, wie eine so wahnsinnige Gesetzauslegung eines blödsinnigen Einsiedlers einen Dichter, wie Michael Beer, zu einem Gedichte begeistern konnte. Der Blödsinn gehört nicht einmal in die Komödie! Das zweit genannte Buch kündigt sich als Lesebuch für die israelitische Jugend an. Das Buch zerfällt in drei Abtheilungen, von denen die erste mit Religion und Gesittung, die zweite mit Geographie und Geschichte und die dritte mit Natur- und Gewerbekunde sich beschäftigt. Trotz der Abtheilungen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.