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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1865-01-01 · Heft 9 · p. Seite 344

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
14 (1865)
Issue
Heft 9
Article
Zur Geschichte der allegorischen Schriftauslegung
Date
1865-01-01
Page
Seite 344 (sequence 10)
Language
German
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344 Zur Geschichte der allegorischen Schriftahslegang. Hatte man doch in ähnlicher Weise, um das Ansehen der Kahhala zu heben, Maimuni auch zum Verfasser kabbalistischer Schriften gemacht2). Als auf Anregung Abba Mari’s der Bannstrahl gegen die Allegorisirung der Bibel geschleudert wurde3), da erklärte man den Rationalismus als Quelle dieser Ausschreitungen. Allein es war dies eine gewaltige Selbsttäuschung. Nicht der Rationalismus, sondern dessen diametraler Gegensatz, der Mysticismus, war deren eigentlicher Veranlasser. Der So har, dessen mystische Ausstrahlungen in alle Ritzen und Spalten des Judenthums einzudringen und so die ganze Gestalt desselben unter eine ganz eigentümliche Beleuchtung zu bringen wussten, hat, unserer Ansicht nach, jene allegorischen Geh ergriffe auf seiner Seele. Seit dem Sohar ist es förmlich ein Axiom geworden, dass nicht nur jeder Vers und jedes Wort der Thora, sondern auch jeder Punkt und Strich, jedes Vokal- und Accent- Zeichen ein Geheimniss in sich berge. Aus jedem Schriftworte gehen prismaartig unzählige Lichtbrechungen hervor (כל הילי דאורייתא ככזה גוונין בכל חד וחד וכלהו יאוח.) und jeder strahl habe seine eigene Farbe und seine eigene Berechtigung. Als locus classicus in dieser Beziehung gilt die folgende Söharstelle: ״Rabbi Simeon (ben Jochai) sagte: Wehe dem Menschen, weleher sagt, diese Thora wolle bloss gewöhnliche Erzählungen und profane Dinge offenbaren; denn wäre dem also, dann könnte man auch in jetziger Zeit eine Thora abfassen mit noch anziehendern Erzählungen. Komm und siehe 1 Die obere Welt und die untere sind mit einem Gewichte gewogen worden. In der untern Welt ist Israel, in der obern sind die Engel. Wenn die Engel auf die Erde herabsteigen wollen, müssen sie mit einem Gewände dieser Welt sich bekleiden. Verhält es sich nun schon mit den Engeln derart, wie nun erst mit der Thora, um deren willen die Engel und die Welten alle geschaffen wurden und fortbestehen. Als sie herabstieg in diese Welt, hätte sie sich nicht bekleidet mit den Kleidern dieser Welt, es hätte die Welt 2) Vergl. die pseudepigraphische Schrift מגלת סתרים (in Obern da Genusa). 3) Adereth a. a. 0.

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