Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Zur Geschichte der allegorischen Schriftauslegung
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 343 (sequence 9)
- Language
- German
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Zur Geschichte der allegorischen Schriftauslegung. 34b ses der aristotelischen Lehre zu Liebe, nach welcher die Himmeiskörper lebende und mit Intelligenz begabte Wesen sind (More II, 5), Nach Maimuni’s Tode hatten sich zwei extreme Richtungen herausgebildet, die wie die zwei feindlichen Pole der Magnetnadel sich zu einander verhielten. Während die Einen jeden Ausspruch der Bibel und selbst der Agada in vollster Buchstablichkeit fassten und sich daher die Gottheit mit Augen, Ohren und andern menschlichen Organen versehen dachten, gab es auf der andern Seite jüdische Denker, die, wie vormals die alexandrinischen Allegoristen, die Bibel in lauter philosophische Gemeinplätze umdeuteten. Abraham und Sara sollten Stoff und Form der Dinge, die vier Könige im Kampfe gegen die fünf die vier Elemente und die fünf Sinne, die 12 Söhne Jakob’s den Thierkreis mit den 12 Sternbildern bedeuten, ebenso Egypten den Körper, das Land Gosen das Herz, Pharao das böse Gelüste, Moses den Geist und die Urim und Thumim sollten bildlieh das Astrolab bezeichnen. Manche dieser Allegoristen, wie z. B. Levi ben Chajim aus Villefranche (im 13. Jahrh.), verwahrten sich zwar strenge dagegen, den einfachen Sinn der bibl. Erzählungen und Gesetze aufheben zu wollen; Andere jedoch sprachen es offen aus, dass sie von der Buchstäblichkeit durchaus nichts halten. Nicht nur sei der erzählende Theil der Schrift blosse Allegorie (80?(מבראשית עד מחן חורה הכל משלUdem selbst die gesetzlichen Vorschriften seien keineswegs buchstäblich zu nehmen. So predigte Einer derselben öffentlich in der Synagoge, das Verbot des Schweinefleisches habe blos eine allegorische Bedeutung. Die Gebetriemen, verkündete ein Anderer, sei durchaus nicht nöthig anzulegen, da die darauf bezügliehe Vorschrift nur bildlichen Sinn habe•)- Um dieser Allegorisirungsmanie mehr Schein von Bereclitigung zu geben, wurde dieselbe auch dem Maimuni unterschoben, wie dies in dem pseudomaimunischen Briefe Nr. 1 (in lggeret Rambam) und in den ebenfalls pseudomaimunischen סרקי ההצלחה (ba der maimunischen Responsensammlung) geschah. י) Vgl, Minchat Kenaoth Kr. 8 und Aderefli’s Responsen Nr. 418.